Landesbischof Meister: Krimiserie kann Vorbild für Predigt sein

Nachricht 16. Oktober 2012

Northeim (epd). Ein "Tatort" kann nach Ansicht des evangelischen Landesbischofs Ralf Meister Vorbild für eine gute Predigt in der Kirche sein. "Ähnlich wie bei der Krimiserie am Sonntagabend müssen auch wir in begrenzter Zeit eine gute Geschichte erzählen", sagte Meister am Rande des Generalkonvents in Northeim. Wissenschaftler und rund 300 Pastoren aus dem südniedersächsischen Kirchensprengel Hildesheim-Göttingen diskutierten dabei über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Kirche und Medien.

Der Berliner Tatort-Drehbuchautor Peter Henning unterstrich, die Serie greife brisante Themen auf. Vor durchschnittlich 12 Millionen Zuschauern gehe es zum Beispiel um Missbrauch. Zudem arbeiteten die Fernsehmacher das, was sie anstießen, teilweise durch zusätzliche Angebote wie Beratungs-Hotlines nachhaltig auf. Er sehe Parallelen zur Arbeit der Kirchen: "Beide müssen Kriterien für das entwickeln, was in der Gesellschaft wichtig ist."

Auch die Tatort-Forscherin Claudia Stockinger betonte die Gemeinsamkeiten von Kirchen und der Serie. "Auch der Tatort ist ein gemeinschaftsstiftendes Element, das sich als Ritual etabliert hat." Vor allem die katholische Kirche und der christliche Glaube seien häufig Thema in den Fernsehfilmen. Die Göttingerin hat am Sonntag für ihre wissenschaftliche Untersuchung zu Tatort und Religion den Bad-Herrenalber-Akademiepreis erhalten.

Regionalbischof Eckhard Gorka warnte vor einem wachsenden Medienkonsum. Durchschnittlich schaue jeder Mensch in Deutschland rund vier Stunden Fernsehen. Es sei wichtig, Medienkompetenz zu schulen und den vielen Angeboten mit Skepsis zu begegnen. "Jeder Fernseher hat auch einen Aus-Knopf."

Der Generalkonvent ist die jährliche Versammlung aller Pastoren und Pastorinnen in einem der sechs Kirchensprengel der hannoverschen Landeskirche. Der Sprengel Hildesheim-Göttingen wurde im Juli 2007 im Zuge einer landeskirchlichen Reform aus den bis dahin selbstständigen Sprengeln Hildesheim und Göttingen gebildet. Insgesamt arbeiten rund 450 Pastoren in dem Gebiet zwischen Hildesheim und Duderstadt, zwischen dem Harz und der Weser.

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