Landesbischof: Christen sollten ihren Alltag mit Gebeten unterbrechen - Tag missionarischer Impulse in Osnabrück

Nachricht 12. Oktober 2012

Osnabrück/Bremen/Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat Christen ermuntert, mit spirituellen Ritualen ihren Alltag zu unterbrechen. Mit Gebeten, Bildern oder Bibelversen könne jeder auf seine Art im Tagesablauf immer wieder Nähe zu Gott herstellen, sagte der Bischof am Sonnabend beim Tag Missionarischer Impulse in Osnabrück. Unter dem Motto "Christsein im Stresstest des Alltags" hatten sich auf Einladung des lutherischen Regionalbischofs Burghard Krause rund 150 Ehrenamtliche aus der Region zwischen Osnabrück und Bremen versammelt.

"Man kann seinen Glauben nicht testen oder einem Stresstest unterziehen. Der Glaube ist gerade eine Befreiung vom Stress", sagte der Bischof. Jeder solle seinen Glauben als Geschenk Gottes betrachten. Er selbst trage etwa immer ein Kärtchen mit einem Bibelvers im Portemonnaie, berichtete Meister. Auf seinem Smartphone habe er eine App mit der jeweiligen Tageslosung. Zudem bete er mit seiner Familie jeden Morgen Luthers Morgensegen.

Im Rahmen der Tagung hatte der Bremer Unternehmer Arne Bär an die Christen appellierte, ihren Glauben auch in der Arbeitswelt offen zu zeigen. Sie könnten damit das Klima in einem Betrieb positiv beeinflussen, sagte der Geschäftsführer eines mittelständischen Dienstleisters. Egal ob Führungskraft oder Angestellter - ein Christ sollte vor allem authentisch sein und seinen Glauben in konkretes Handeln umsetzen. Im Umgang mit Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten könne er zum Beispiel Ehrlichkeit vorleben: "Ich rede dann eben nicht hinter dem Rücken eines Kollegen schlecht über ihn."

Er selbst habe gemeinsam mit seinen Mitarbeitern ein Leitbild für seine Firma entwickelt, erläuterte der Geschäftsführer. Darin kämen christliche Werte wie Offenheit, Ehrlichkeit oder Nächstenliebe zu Ausdruck. Seine Mitarbeiter dürften ihre Vorgesetzten bewerten. Er schreibe stets per Hand Geburtstagskarten, die er mit einem persönlich ausgesuchten Bibelvers versehe. Mit seinen Kollegen im Führungsstab bete er auch gemeinsam: "Die Menschen sollen mich wahrnehmen als jemand, der sie liebt, wertschätzt, ihnen vertraut. Wir sprechen miteinander, nicht übereinander."

Es komme nicht darauf an, dass überall Bibelsprüche hingen, sagte Bär. Es nütze auch nichts, Mitarbeitern Gesprächskreise aufzuzwingen. "Ich bete, und das sage das auch offen, aber ich verlange es nicht von andern. Ich versuche mit meiner Haltung ein Vorbild zu sein." Der Mensch stehe in seinem Unternehmen immer im Mittelpunkt.

Das widerspreche auch nicht den Regeln der Leistungsgesellschaft. Er verlange durchaus Leistung, betonte Bär. "Aber wenn ich mir die Zeit nehme, mich mit meinen Mitarbeitern zu beschäftigen, sie entsprechend ihren Fähigkeiten einsetze und sie motiviere, dann ziehen alle einen Mehrwert daraus einschließlich der Kunden und Lieferanten." Deshalb sei die Bibel für ihn "das Management-Handbuch Nummer eins".

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