Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Nachricht 11. Oktober 2012

„Klimaschutz versus Bürgerinteressen?“ lautete das Thema des Hanns-Lilje-Forums in der Martin-Luther-Kirche Emden

Hanns-Lilje-Forum Emden

Emden. In einem waren sich die Teilnehmer auf dem Podium des Hanns-Lilje-Forums in der Martin-Luther-Kirche in Emden am Mittwoch einig: Die Energiewende müsse in der Öffentlichkeit auf breiter Basis diskutiert werden. „Offen und unideologisch“ solle das geschehen, forderte Niedersachsens Umweltminister Dr. Stefan Birkner. Wie schwierig und komplex das Thema ist, wurde den 170 Besuchern im Laufe des Abends deutlich.

Ein Anliegen der Hanns-Lilje-Stiftung sei es, Brücken zu bauen, sagte deren Sekretär Professor Christoph Dahling-Sander. „Das ist gelungen“, lautete sein Resümee zur Veranstaltung „Klimaschutz versus Bürgerinteressen? Ärger um die Energiewende“. Eingeladen hatten die Hanns-Lilje-Stiftung und der Evangelisch-lutherische Sprengel Ostfriesland. In dessen Namen begrüßte Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr die Gäste. „Als Bürger müssen wir zeigen, dass wir die Energiewende wollen, um die Schöpfung zu bewahren“, betonte er.

Moderatorin Dr. Monika C. M. Müller, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Loccum, hieß als Gesprächsteilnehmer Umweltminister Dr. Birkner, Dr. Kathrin Thomaschki von der Bundesnetzagentur und Martin Refle, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Die Strommixer GmbH & Co. KG aus Jemgum willkommen.

Rund 80 Prozent der Bürger begrüßten laut einer Untersuchung die Energiewende, sagte der Umweltminister. Würden sie von konkreten Maßnahmen betroffen, gebe es aber auch Proteste. Erfolgreich sei der Anteil der erneuerbaren Energien, mit dem aber der Netzausbau nicht mitkomme: „Das ist ein Nadelöhr“, so Birkner. Um das zu beseitigen, müsse jeder Cent so effizient wie möglich eingesetzt werden.

„Die Energiewende ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, sagte Dr. Kathrin Thomaschki. Insofern stehe sie den Bürgerinteressen nicht entgegen. Diese würden von der Bundesnetzagentur ernst genommen. Es gebe viele Informationsveranstaltungen.

Beifall erhielt Martin Refle für seinen Vorschlag, die Netzinfrastruktur sollte öffentlich-rechtlich organisiert werden. Strom-intensive Branchen sollten die ihnen ermöglichten Einsparungen in Energie-Effizienz investieren. Daran sei etwa die chemische Industrie schon selbst interessiert, der finanzielle Druck sei groß, entgegnete Stefan Birkner.

„Wir müssen die Strompreisentwicklung in den Griff kriegen“, lautete ein Appell des Umweltministers. Finanzielle Lasten dürften  insgesamt nicht unnötig groß werden. Fördermechanismen sollten nur dort gelten, wo sie auch effizient seien, sagte Birkner. Angesprochen wurde auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). „Ich verstehe nicht, dass man das in Frage stellt“, sagte Martin Refle. Damit sei Innovation vorangetrieben worden.

Nach Impulsreferaten und Diskussion auf dem Podium blieb nur für wenige Zuhörer Zeit, Fragen vor dem Forum zu stellen. Sie hatten aber die Gelegenheit, das anschließende Miteinander bei einem Imbiss dafür zu nutzen, die Redner direkt anzusprechen.