Landesbischof würdigt traditionsreiches Amt der Kirchenpatrone

Nachricht 09. Oktober 2012

Hannover (epd). Adelige Kirchenpatrone haben seit dem Mittelalter Kirchen gestiftet und sich für ihre Erhaltung eingesetzt. Der evangelische Landesbischof Ralf Meister hat am Mittwoch dieses traditionsreiche Amt gewürdigt und sich für das Engagement der heutigen Kirchenpatrone bedankt. "Mit hoher Verantwortung und großem Einsatz schützen Sie den Erhalt identitätsstiftender Bauwerke für ein Dorf, eine Region, eine Stadt", sagte er am Mittwoch beim 4. Patronatstag der hannoverschen Landeskirche in Hannover vor mehr als 50 Patronen.

In Deutschlands größter evangelischer Landeskirche zwischen Göttingen und der Nordsee bestehen noch 131 Patronate. In 36 Fällen haben Körperschaften das Patronat inne, etwa die Stadt Hannover für die Marktkirche. Die Kirchenpatrone übten ihre Aufgabe mit Leidenschaft und in Vielfalt aus, sagte Meister. Für sie zählten Werte wie Treue und Verlässlichkeit statt schneller Trends. Patrone seien "eine besondere Form des Laienchristentums."

Der Patron oder die Patronin hat nach Angaben der Landeskirche das Recht auf einen Sitz im Kirchenvorstand und bestimmt mit über die Besetzung von Pfarrstellen. Während der NS-Zeit seien Patrone im kirchlichen Widerstand von Bedeutung gewesen, da sie die Pfarrstellen mit oppositionellen Pastoren besetzen konnten. Später galten Kirchenpatrone als altmodisch, ihr Einfluss wurde seit den 1970er Jahren begrenzt.

Heute können keine neuen Patronate mehr begründet werden. Doch die Synode, das Kirchenparlament, hat die Patronate in jüngster Zeit durch zwei Beschlüsse wieder gestärkt. Sie müssen nicht mehr automatisch erlöschen, wenn zwei Kirchengemeinden zusammengelegt werden. Ein altes Patronat kann sogar wieder aufleben. Die Kirche sei zunehmend auf Personen angewiesen, die bereit seien, ihren Einfluss für sie geltend zu machen, hieß es.

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