Herbsttage der jüdischen Musik starten in Hannover

Nachricht 05. Oktober 2012

Hannover (epd). Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik in Hannover startet an diesem Sonntag wieder eine Konzertreihe mit Werken jüdischer Komponisten. Von diesem Sonntag an erklingen bei den "Herbsttagen der jüdischen Musik 2012" in der historischen Villa Seligmann unter anderem Chorstücke aus den Synagogen Europas, wie das Zentrum am Freitag mitteilte. Zu einem Festkonzert zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung am 17. November im Großen Sendesaal des NDR wird unter anderem Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) erwartet.

Bereits am 8. November wird in der Villa Seligmann eine Ausstellung über die Rettung einer wertvollen Notensammlung aus der Frankfurter Hauptsynagoge eröffnet. Oberkantor Nathan Saretzki konnte die wichtigsten Noten in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 vor den Flammen bewahren. Vor seiner Deportation übergab er sie einer nichtjüdischen Familie, die sie Jahrzehnte später Saretzkis Sohn überließ. Dieser wiederum schenkte sie dem Europäischen Zentrum mit seinem Leiter Professor Andor Izsak.

Am 10. November gedenkt das Zentrum mit einem Konzert in der Marktkirche der Reichspogromnacht. Dabei wird der SPD-Fraktionschef im niedersächsischen Landtag, Stefan Schostok, eine Ansprache halten.

Der langjährige Direktor des Zentrums, Professor Andor Izsak, forscht seit Jahrzehnten weltweit nach verschollenen Tonaufnahmen und Noten aus Synagogen, die im Nationalsozialismus zerstört wurden. Ende September ging er offiziell in den Ruhestand. Einige Monate zuvor bezog das Zentrum sein neues Domizil in der Villa des jüdischen Industriellen und früheren Continental-Direktors Siegmund Seligmann (1853-1925).

Dort will Izsak weiterhin die Werke jüdischer Komponisten den Zeitgenossen nahebringen. Dazu ließ er das Gebäude unter anderem mit historischen Synagogenorgeln, Flügeln und anderen Instrumenten ausstatten. Der Anfang des 20. Jahrhunderts im neubarocken Stil errichtete Prachtbau wurde seit 2008 für einen Millionenbetrag umfassend restauriert und in seinen ursprünglichen Zustand versetzt.

Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik wurde 1988 in Augsburg von Izsak gegründet. 1992 zog es nach Hannover um und wurde Teil der Hochschule für Musik und Theater.

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