Sinnstiftend: Ethik und Verantwortung in Kunst und Kultur

Nachricht 30. Juni 2012

Bischof Meister: Kultur muss sich nicht vor allem rechnen - Schauspiel-Intendant sieht Kunst als moralische Instanz

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat davor gewarnt, die Bedeutung von Kultur an ihrer Wirtschaftskraft zu messen. "Wenn man Kultur vernichten will, dann mit solchen volkswirtschaftlichen Argumentationen", sagte Meister am Sonnabend bei einem Podiumsgespräch im evangelischen Kloster Loccum bei Nienburg. Ankaufspreise von Kunstwerken bei Auktionen oder der Ticket-Preis für ein Pop-Konzert mit Madonna sagten nichts über die Qualität oder den Auftrag von Kultur aus.

"Kultur muss sich nicht vor allem rechnen", unterstrich der evangelische Bischof. Auch Bildung sei viel mehr, als die geschickte Nutzung von kreativen Kompetenzen, damit Gewinne auf globalen Arbeitsmärkten vermehrt werden könnten. Private oder staatliche Förderung dienten der Kultur nur dann, wenn sie ihr zugleich ein höchstes Maß an Autonomie ermöglichten. Zum Ursprung der Kultur gehöre es, dass sie in ihrer Weltdeutung sinnstiftend sei, sagte Meister.

Nach Ansicht des hannoverschen Schauspiel-Intendanten Lars Ole Walburg müssen Kunst und Kultur dazu beitragen, dass sich die Gesellschaft weiterentwickelt. "Kultur muss eine moralische Instanz sein", sagte er dem epd. Die Kunst dürfe sich nicht am Publikumsgeschmack orientieren, sondern müsse diesen fortbilden.

Der Lüneburger Professor für Kulturvermittlung, Volker Kirchberg, sagte bei den "Loccumer Gesprächen" zum Thema "Kultur heute - Wie viel Luxus wollen wir uns leisten: "Kultur muss begründen, wozu sie da ist und welche Ziele sie verfolgt." Könne sie das nicht leisten, werde sie zum verzichtbaren Luxus.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen