Bischof Meister ruft bei Hansetag zum Einsatz für soziale Gerechtigkeit auf

Nachricht 30. Juni 2012

Lüneburg (epd). Bei einem Festgottesdienst zum internationalen Hansetag in Lüneburg hat der hannoversche Landesbischof Ralf Meister am Sonntag zum Einsatz für soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Die historischen Hansetage vor mehr als 600 Jahren seien so etwas wie die EU-Gipfel und das Weltwirtschaftsforum in einem gewesen, sagte der Bischof vor mehr als 3.000 Besuchern auf dem zentralen Platz "Am Sande" in der Hansestadt. "Ein bisschen erinnert das an die aktuellen Debatten über Griechenland, Spanien und Italien."

Den Hansestädten sei es vor allem darum gegangen, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu verbessern, erläuterte Meister bei dem Fest, das an die Treffen des historischen Städte- und Handelsbundes erinnerte. "Handel ist ein großes Tauschgeschäft. Man will den Mangel verhindern. Aber vielleicht brauchen wir nicht mehr, sondern fairere Tauschgeschäfte."

Der Hansetag sei eine Gelegenheit zur großen Feier, sagte der evangelische Bischof bei dem ökumenischen Gottesdienst zum Ende des viertägigen Volksfestes. Zugleich mahne er an, gegen einen freien Welthandel Einspruch zu erheben, der massiv zu globaler Ungerechtigkeit beitrage. "Wir Christen sind nicht die besseren Marktwirtschaftler, aber vielleicht haben wir manchmal den schärferen Blick für die soziale Marktwirtschaft."

Den "Hansetag" in Lüneburg feierten Vertreter aus rund 110 Hansestädten der Neuzeit und rund 200.000 Besucher. Vor 600 Jahren kamen Vertreter von 32 Hansestädten zur "Tagfahrt der Hansen" erstmals in Lüneburg zusammen. 1980 schlossen sich im niederländischen Zwolle Städte zusammen, die schon dem historischen Bund der Kaufmannsstädte angehört hatten, um soziale und kulturelle Beziehungen zu pflegen und zur Völkerverständigung beizutragen.

Der Gottesdienst zum "Hansetag" wurde von den christlichen Kirchen in Lüneburg gemeinsam in deutscher und englischer Sprache gestaltet. Auch Vertreter der Moscheegemeinde der Stadt waren eingeladen. Der Bischof begrüßte die Gemeinde zwischen den Häusern mit den historischen Lüneburger Giebeln in fünf Sprachen. Zusätzlich sprach er sie auf Plattdeutsch an, nach seinen Worten die verbindende Sprache und damit das Englisch der historischen Hanse.

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