Landesbischof kritisiert Vermarktungsstrategien von Facebook

Nachricht 29. Mai 2012

Leipzig/Hannover (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat die Vermarktungsstrategien von Facebook scharf kritisiert. "Das soziale Netzwerk ist kein unbedarfter Party-Talk, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das meine Interessen und Neigungen permanent vermarktet", sagte Meister der evangelischen Wochenzeitung "Der Sonntag" in Leipzig (Donnerstagsausgabe). Besonders problematisch seien die offenen Fragen des Datenschutzes und die kommerzielle Komponente dieser Kommunikation, die der Börsengang von Facebook klar und deutlich erkennen lasse.

Vor allem für Kinder und Jugendliche könne es richtig gefährlich werden, wenn sie nicht zwischen echten und falschen "Freunden" unterscheiden könnten, sagte Meister. Am Beispiel des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff werde auch die Gnadenlosigkeit des Mediums offensichtlich. "Es ist leider ein Kennzeichen dieser Medien, dass sich manche Nutzer darin völlig hemmungslos aufführen."

Sein Amtskollege, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sieht in dem Netzwerk vor allem die Chance miteinander in Kontakt zu bleiben. "Für welche Form von Kommunikation Facebook sich eignet, lernt man, wenn man es selbst ausprobiert", sagte er dem Blatt. Und auch über die notwendigen gesetzlichen Regeln, etwa zum Datenschutz, könne man am besten dann diskutieren, wenn man die sozialen Netzwerke im Internet auch aus eigener Anschauung kenne.

"Als Kirche haben wir die Aufgabe, die gute Nachricht von der Liebe Gottes weiterzugeben", sagte Bedford-Strohm. Bei Facebook seien weltweit etwa 900 Millionen Menschen angemeldet. Die Stimmen von Christen und Kirchen sollten auch da nicht ungehört bleiben.

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