Pfarrberuf im Wandel: Leiterin der Personalabteilung im Gespräch

Nachricht 27. Februar 2012

Hannover (epd). In der hannoverschen Landeskirche werden wieder Pastorinnen und Pastoren gesucht. Nach Jahren, in denen Bewerber abgewiesen wurden oder als Berufsanfänger nur Teilstellen erhielten, stehe die größte evangelische Landeskirche in Deutschland an einem historischen Wendepunkt, sagte Personalchefin Nicola Wendebourg am Dienstag: "Wir können wieder anfangen, für den Pastorenberuf zu werben. Die Berufsaussichten sind äußerst rosig."

In der Landeskirche sind laut Statistik derzeit knapp 1.900 Pastorinnen und Pastoren tätig, eine große Mehrheit von ihnen in den Kirchengemeinden. Die Kirche steuere trotz weiterer Stellenkürzungen von je rund einem Prozent im Jahr bis 2020 auf einen Pastorenmangel zu, weil starke Jahrgänge in den Ruhestand träten, sagte die Leiterin der Personalabteilung im Landeskirchenamt, Wendebourg. Es werde Zeiten geben, in denen besonders in dünn besiedelten Randgebieten wie im Harz, im Wendland oder im Emsland Stellen nur schwer besetzt werden könnten.

Der Pastorenberuf ist nach Aussagen der Theologin weiter im Wandel. So streben immer mehr Frauen ins Pfarramt. Während auf zwei Pastoren derzeit nur eine Pastorin kommt, sind unter den Theologiestudierenden und Vikaren die Frauen in der Mehrheit. "Fachleute sehen die Tendenz, dass es irgendwann ein ausgeglichenes Verhältnis gibt."

In den Leitungsfunktionen seien die Frauen aber noch deutlich unterrepräsentiert, sagte Wendebourg. Sie stellen zehn von insgesamt 60 Superintendenten, auf fünf Landessuperintendenten kommt nur eine Landessuperintendentin. Frauen seien nur schwer für Leitungsämter zu begeistern. Sie hätten stärker die familiäre Situation im Blick und zugleich einen ausgeprägten Perfektionismus und hohe Ansprüche an sich selbst, erläuterte die Oberlandeskirchenrätin.

Unter den Pastorinnen und Pastoren sind Wendebourg zufolge Erschöpfungserkrankungen ein großes Thema. "Wir nehmen das sehr ernst." Vor allem die Strukturreformen angesichts knapper Finanzen belasteten die Seelsorger. Der Beruf lebe vom Vertrauen der Menschen und von persönlichen Begegnungen. Je mehr Gemeindemitglieder ein Einzelner begleite, desto schwieriger werde die Arbeit. Zudem spiele die Kirche gesellschaftlich eine geringere Rolle als noch vor 30 Jahren. "Die große Selbstverständlichkeit, dass das eine wichtige Arbeit ist, ist weggebrochen."

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