Ausstellung "Rosenstraße 76"

Nachricht 27. Februar 2012

Hinter einer schönen Fassade lauert manchmal die Gewalt. Leidtragende sind meist die Frauen. Darauf macht die evangelische Kirche mit ihrer Ausstellung "Rosenstraße 76" aufmerksam. Sie tourt in diesem Jahr durch Niedersachsen.

Hannover (epd). Mit einer landesweiten Ausstellung will die hannoversche Landeskirche das Thema häusliche Gewalt stärker in den Blickpunkt rücken. "Je näher Menschen einander kommen, etwa in Liebe und Partnerschaft, umso gefährlicher kann die Dynamik sein, wenn Liebe in Gewalt umschlägt", sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister am Montag in Hannover. Die interaktive Ausstellung "Rosenstraße 76" ist vom 29. Februar bis zum 18. März im Pavillon am Raschplatz in Hannover zu sehen. Im Herbst öffnet sie in Hildesheim, Emden, Osterode und Buchholz in der Nordheide.

Die Wanderausstellung zeigt eine nachgebaute Vierzimmer-Wohnung, in der häusliche Gewalt beispielhaft deutlich wird. Die Besucher sind aufgefordert, Türe und Schränke zu öffnen oder technische Geräte zu bedienen. Hinter einer scheinbar schönen Fassade entdecken sie dort Hinweise auf Gewalt, etwa einen Anrufbeantworter mit Drohungen. Für die Ausstellungsorte in Niedersachsen hat die Landeskirche die Ausstellung um ein Themenzimmer zur Gewalt in der Pflege erweitert.

Der größte Teil der häuslichen Gewalt sei Gewalt gegen Frauen, sagte die Kriminalhauptkommissarin Monika Taut aus Hannover. Aber auch Kinder und alte, pflegebedürftige Menschen gehörten zu den Opfern. Die Täter seien meist Männer. Sie handelten oft aus einem mangelnden Selbstwertgefühl heraus oder hätten früher eigene Gewalterfahrungen gemacht. Manche Männer meinten, Konflikte nicht anders lösen zu können als durch Gewalt.

Oft gehe der Gewalt in der Partnerschaft eine lange Geschichte psychischer Gewalt voraus, sagte die Sozialpsychologin Petra Klecina vom Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen in Hannover. Frauen würden über Jahre hinweg eingeschüchtert, gedemütigt, finanziell knapp gehalten und von Freunden isoliert. "Es geht auch immer um Macht und Kontrolle."

Die Kirche habe eine besondere Verantwortung für die Opfer häuslicher Gewalt, betonte Bischof Meister: "In unseren Kindertagesstätten bekommen die Erzieherinnen die Situation in den Familien ganz aus der Nähe mit." Am 4. März widmet sich ein Radiogottesdienst mit Bischof Meister aus der Marktkirche in Hannover dem Thema. Der Deutschlandfunk überträgt ihn ab 10.05 Uhr. Die Ausstellung war ursprünglich für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover entwickelt worden.

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