Ratsvorsitzender Schneider: Sterben gehört zum Leben dazu

Nachricht 25. Februar 2012

Göttingen (epd). Die schmerzliche Erfahrung des Todes gehört nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, zum Leben dazu. Daher sei es falsch, Sterbende vom Leben auszuschließen, sagte Schneider am Donnerstagabend in Göttingen anlässlich einer Foto-Ausstellung über sterbende Menschen. Die Heidelberger Fotografin Gülay Keskin hat unter dem Thema "LebensKunstSterben" 16 Menschen auf Palliativstationen sowie in stationären und ambulanten Hospizen begleitet.

Schneider berichtete auch über die Erfahrung mit dem Tod seiner eigenen Tochter. Die 22-jährige Meike starb 2005 an einer Krebserkrankung. "Unser Kind ist gestorben, unser Leben ist dadurch ein Stück weit aus den Fugen geraten", sagte der leitende Theologe seinem vorab veröffentlichten Manuskript zufolge. Das habe Zweifel am eigenen Glauben hervorgerufen. Gleichzeitig biete der Glaube an Gott auch Halt.

In Todeserfahrungen müsse man nicht immer tapfer, gelassen und dankbar bleiben, sagte Schneider. "Das Ringen und der Kampf gegen den Tod und alles, was das Lebeninfrage stellt, gehört zu unserem Menschsein und zu unserem Glauben hinzu." Trost finde er in seiner Trauer um die Tochter auch im Glauben an die Auferstehung und das ewige Leben.

Die Ausstellung "LebensKunstSterben" ist bis zum 10. März in der Galerie Alte Feuerwache in Göttingen zu sehen. Um das Tabuthema Tod in den Blickpunkt zu rücken, hat die katholische Klinikseelsorge ein Begleitprogramm geplant. So werden Kinder- und Jugendtheaterstücke aufgeführt sowie ein Workshop zum Thema Patientenverfügung und wissenschaftliche Vorträge veranstaltet.

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