Hanns-Lilje-Forum: Protestantisches Profil

Nachricht 23. Februar 2012

Hannover (epd). Der Münchner Theologie-Professor Friedrich Wilhelm Graf hat die evangelischen Kirchen aufgefordert, ihr geistliches Profil schärfen und sich weniger politisch zu äußern. "Das Geschäft, das die Kirchen zu betreiben haben, heißt Religion", sagte Graf bei einer Veranstaltung der evangelischen Hanns-Lilje-Stiftung in Hannover: "Sie sind keine politischen Akteure und sollten sich davor hüten, zu allem Stellungnahmen abzugeben."

Aus soziologischen Studien sei bekannt, dass die evangelischen Christen vor allem eine religiöse Begleitung wünschten. Viele junge Theologen an der Universität hätten jedoch an den zentralen Symbolen des Christentums kein wirkliches Interesse. Momentan werde "für jeden Unsinn" eine theologische Begründung angeboten, kritisierte Graf. Auch im Gespräch der mit der katholischen Kirche sei das protestantische Profil kaum noch erkennbar.

Der frühere Direktor der Evangelischen Akademie Loccum, Fritz-Erich Anhelm, widersprach Graf. "Der Begriff des Kerngeschäftes ist keine geistliche Meisterleistung", sagte er. Das Wort entstamme dem Vokabular der Wirtschaft. Die Kirchen müssten sich nicht nur um das Heil, sondern auch um das Wohl der Menschen kümmern. Beides lasse sich nicht auseinanderreißen. Zwar dürften die Kirchen nicht die Aufgaben von Politikern übernehmen. Sie müssten aber diskussionswürdige Punkte benennen. Anhelm ist Lehrbeauftragter für Religionssoziologie an der Universität Hannover.

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