Unterstützung für Flüchtlingsfamilie in Hildesheim

Nachricht 11. Februar 2012

Hildesheim (epd). Rund 100 Menschen haben nach Polizeiangaben am Sonnabend in Hildesheim erneut für die Rückkehr der Kurdin Gazale Salame und ihrer beiden jüngsten Kinder demonstriert. Die damals Schwangere wurde am 10. Februar 2005 mit ihrer einjährigen Tochter aus dem Landkreis Hildesheim abgeschoben. Sie leben seit sieben Jahren getrennt vom Ehemann Ahmed Siala und den zwei älteren Töchtern, die zurückblieben. Eine Familie sei zerstört worden und der Protest dagegen halte an, sagte der Hildesheimer evangelische Superintendent Helmut Aßmann: "Das menschliche Unrecht hat keine Verjährungsfrist."

Salame und Siala waren als Kinder mit ihren Eltern vor dem Bürgerkrieg aus dem Libanon geflohen. Gazale Salame wurde die Aufenthaltserlaubnis nach 17 Jahren in Deutschland entzogen, weil sie als kleines Mädchen zeitweise in der Türkei lebte und ihren Eltern falsche Angaben vorgeworfen wurden.

Aßmann appellierte an den Landkreis und an das niedersächsische Innenministerium nicht nur formal, sondern menschlich zu entscheiden. "Am Schreibtisch ist es geordnet und warm, bei den Betroffenen aber gefriert das Leben", sagte er: "Wir möchten uns nicht damit abfinden, dass Politik und Herzlosigkeit zwei Seiten ein und derselben Medaille sein sollen."

Heiko Kauffmann vom Pro-Asyl-Bundesvorstand unterstrich, es gehe um das Wohl der Kinder, die durch die Trennung "eine nie wieder gutzumachende Lebenskatastrophe" durchlitten. Unter anderen hätten die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) und der Vorsitzende des Bundestags-Menschenrechtsausschusses, Tom Koenigs (Grüne), an Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) geschrieben und sich für Gazale Salame eingesetzt.

Mehr als 1.400 Menschen unterstützen nach Angaben von Pro Asyl einen Appell an McAllister. Redner der Kundgebung forderten den Ministerpräsidenten auf, er solle seine Ankündigung wahr machen und sensibler mit Asylfragen umgehen. Sie kritisierten die Flüchtlingspolitik des niedersächsischen Innenministers Uwe Schünemann (CDU). Der Hildesheimer Caritasdirektor Hans-Jürgen Marcus sagte: "Gazale Salame ist ein besonderer Fall, aber er ist kein Einzelfall." Die niedersächsische Härtefallkommission habe zu wenig Einfluss, bemängelte Marcus, der in der Kommission sitzt.

Auch Gazale Salames Ehemann Ahmed Siala hat keinen gesicherten Status. Siala wurde die Aufenthaltserlaubnis 2001 entzogen. Ihm wird unterstellt, dass seine aus dem Libanon kommenden Eltern bei der Einreise 1990 ihre türkische Staatsangehörigkeit verschwiegen hätten. Der Flüchtlingsrat hatte Auszüge aus einem türkischen Geburtenregister vorgelegt, um zu belegen, dass dies nicht stimmt. Siala war damals fünf Jahre alt.

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