EKD-Kirchenamtsvizepräsident Gundlach: "Gelingender Föderalismus"

Nachricht 10. Februar 2012

Hannover (epd). In der föderalen Struktur der evangelischen Kirche wird es laut Vizepräsident Thies Gundlach vom Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) weitere Veränderungen geben. Grenzen von Landeskirchen würden sich verschieben, weil es für die derzeitigen Verläufe weder eine theologische noch eine geographische Notwendigkeit gebe, diese jedoch den Kirchenleitungen funktionale, finanzielle und logistische Probleme bescherten, sagte Gundlach dem Evangelischen Pressedienst. Er warb für einen "gelingenden Föderalismus" der evangelischen Kirchenlandschaft.

"Die gegenwärtigen Landeskirchengrenzen sind für die Herzen der Menschen wichtig, sie sind aber für die Verkündigung des Evangeliums nicht sakrosankt", sagte der Vizepräsident des Kirchenamtes. Die derzeit 22 Landeskirchen in der EKD hätten nicht alle die gleichen "Überlebenschancen". Je kleiner eine Kirche sei, desto früher erreiche sie die Grenze der Handlungsfähigkeit als Landeskirche: "Wir werden in absehbarer Zeit eine zunehmende Zahl von Landeskirchen haben, die ihre Grundfunktionen nicht von allein aufrecht erhalten können, sondern nur noch durch den innerevangelischen Finanzausgleich." Kleineren Landeskirchen empfahl Gundlach, nicht zu spät auf Kooperationen und Zusammenlegungen zuzugehen, da sich sonst ihre Verhandlungsposition verschlechtere.

Gundlach befürwortete eine grobe Orientierung der Grenzen von Landeskirchen an den Bundesländern: Denn die Länder beeinflussten in ihrer Kulturhoheit wesentliche Bereiche kirchlichen Lebens. In diesem Zusammenhang warb der Vizepräsident für eine "kleine Reform" durch eine Anpassung landeskirchlicher Grenzen an die Ländergrenzen. Aber selbst diese Grenzbegradigungen bei sogenannten "Zipfel-Zugehörigkeiten", wo Gebiete einer Landeskirche in einem anderen Bundesland liegen, dürfte außerordentlich schwierig werden, räumte Gundlach ein.

Unterschiede in den Bekenntnistraditionen, die historisch für die landeskirchlichen Grenzen maßgeblich waren, seien zwar Reichtümer, aber keine Identifikationsmerkmale mehr. Landeskirchen seien auf eine ausreichende finanzielle Ausstattung angewiesen. Gefragt seien von ihnen Dienstleistungen für die Verkündigung vor Ort, sagte Gundlach.

Die Zahl und die Grenzen der Landeskirchen sei ein "weltlich Ding", erinnerte er an das Impulspapier "Kirche der Freiheit", mit dem die EKD 2006 einen umfassenden Reformprozess auf allen Ebenen angestoßen hatte. In dem Papier, an dessen Entstehung Gundlach maßgeblich beteiligt war, wird empfohlen, dass es im Jahr 2030 zwischen acht und zwölf Landeskirchen geben sollte, die sich an den Grenzen der großen Bundesländer orientieren und jeweils mindestens eine Million Mitglieder haben sollten.

In Niedersachsen hatten sich die vier lutherischen Landeskirchen Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die reformierte Kirche mit Sitz in Leer 1971 zu einer Konföderation zusammengeschlossen, um ihre Interessen gegenüber dem Land besser zu vertreten und Aufgaben gemeinsam wahrzunehmen. Derzeit wird darüber verhandelt, ob sie in einer Föderation noch verbindlicher zusammenarbeiten sollten. Ein erster Anlauf zur Bildung einer gemeinsamen Kirche war 2009 am Votum der kleineren Kirchen gescheitert, die eigenständig bleiben wollten.

Zu Pfingsten schließen sich die drei Landeskirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern zur Nordkirche zusammen. Mit 2,8 Millionen Mitgliedern ist die hannoversche Landeskirche die größte, Anhalt mit 42.000 die kleinste Landeskirche.

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