Landeskirche weitet Engagement gegen Rechtsextremismus aus

Nachricht 09. Februar 2012

Friedensbeauftragter: Klares Profil zeigen

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche will ihr Engagement gegen den Rechtsextremismus ausweiten. Rund 150.000 Straftaten durch Rechtsextremisten in den vergangenen 20 Jahren zeigten, wie nötig dies sei, sagte der Friedensbeauftragte Pastor Klaus Burckhardt bei der ersten Vollversammlung der "Initiative für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" der evangelischen Landeskirche am Freitag. Zu dem Treffen waren rund 80 Menschen nach Hannover gekommen. Sie repräsentierten Burckhardt zufolge mehr als 600 Einzelpersonen und Initiativen aus Kirche und Gesellschaft.

"Auch innerhalb der Kirche gibt es einen Resonanzboden für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit", sagte Burckhardt: "Darum wollen wir ein klares Profil zeigen." Die vor gut einem Jahr gegründete Initiative der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland bilde ein enges Netzwerk. So hätten sich zum Beispiel nach Brandanschlägen mit vermutlich rechtsradikalem Hintergrund in Faßberg und Unterlüß bei Celle noch am selben Abend 50 Menschen zu einer Mahnwache vor dem Haus eines Betroffenen zusammengefunden.

Der Theologiestudent und Aussteiger aus der rechtsextremen Szene, Johannes Kneifel, rief dazu auf, Rechtsextremismus klar zu verurteilen. Die Ideologie zerstöre das menschliche Miteinander und verursache Hass, Gewalt und Angst. Zugleich müsse die Kirche jedoch Rechtsextremisten einen Weg eröffnen, auf dem diese umkehren könnten. "Als Christen wissen wir davon, dass ein Neuanfang möglich ist." Er selbst habe diese Vergebung erfahren, ohne dass seine Schuld verharmlost wurde.

Der 29-Jährige war als Jugendlicher in die rechtsextreme Skinhead-Szene geraten. Mit 17 kam er für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er bei einer Schlägerei einen Mann getötet hatte. Kneifel hat sich von seiner Vergangenheit losgesagt und studiert heute an einer Ausbildungsstätte der baptistischen Freikirche. "Viele Rechtsradikale leben nur unter ihresgleichen", sagte er. "Wenn niemand mit ihnen redet, wird sich nur wenig ändern."

Der Rechtsextremismus-Experte Reinhard Koch betonte die wichtige Rolle der Kirchen. "Sie sind eine Riesenkraft", sagte der Leiter des Zentrums für demokratische Bildung in Wolfsburg. Nach den Terroranschlägen der "Zwickauer Zelle" sollten sie dies nutzen, um vergessene Themen in den Blick zu rücken. "Was untergeht in der gegenwärtigen Diskussion sind die Opfer und die Frage, aus welchem gesellschaftlichen Resonanzboden sich der Hass speist, der junge Menschen zu Tätern macht."

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