Dankgottesdienst für Rückkehr der Familie Nguyen

Nachricht 09. Februar 2012

Hoya/Kr. Nienburg (epd). Mit einem Gottesdienst hat die evangelische Kirchengemeinde im niedersächsischen Hoya dafür gedankt, dass die abgeschobene Familie Nguyen zurückkehren konnte. "Nun sind wir erleichtert nach einer Achterbahnfahrt zwischen Hoffen und Bangen", sagte Gemeindepastor Andreas Ruh am Donnerstagabend. Der Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Die Eltern Nguyen und ihre beiden sechs und neun Jahre alten Kinder waren kürzlich aus Hanoi nach Deutschland zurückgekehrt, nachdem sie im November nach Vietnam abgeschoben worden waren.

Die älteste Tochter war allein in Hoya bei Bremen zurückgeblieben, weil sie ein Aufenthaltsrecht hat. Die Abschiebung hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil die Familie seit 19 Jahren in Deutschland lebt und als Beispiel für gelungene Integration gilt. "Das Maß war voll - diese Abschiebung war der Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen brachte", beschrieb Ruh in der Hoyaer Martin-Luther-Kirche den Auslöser für eine Welle des Protestes. Kurz vor Beginn des Gottesdienstes wurden die Familienmitglieder von vielen Kirchenbesuchern umarmt und mit den Worten begrüßt: "Schön, dass ihr wieder hier seid."

In einer bewegenden Stellungnahme und zeitweise unter Tränen bedankte sich Tuong Nguyen für die Hilfe vieler Unterstützer. "Das ist ein großes Geschenk", sagte der Ehemann und Vater der Familie. Er schloss in seinen Dank auch Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) ein. Der Politiker habe ihnen zwar wehgetan, doch "ohne sein Wort wären wir nicht hier".

Sechs Jahre hatten Unterstützer für ein Bleiberecht der Familie gekämpft. Dass nun eine abgeschobene Familie aus Vietnam zurückgeholt worden sei, das habe es in Niedersachsen so noch nicht gegeben, betonte Pastor Ruh. Er sprach von einem Wunder, "vielleicht, weil Menschlichkeit so selten gegen Macht siegt". Ganz Niedersachsen sei berührt gewesen, "weil hier die Menschenwürde berührt wird durch die Vernichtung der Lebensgrundlagen, die sich Familie Nguyen hier in Hoya geschaffen hat".

Auf Druck von Kirchen, Flüchtlingsorganisationen, Politikern und Privatpersonen hatte Schünemann sich wenige Tage nach der Abschiebung für die Rückholung eingesetzt. Die Nguyens mussten dann allerdings noch mehrere Wochen auf die nötigen Papiere warten. Der Protest gegen die Abschiebung sei "eine Allianz quer durch alles gewesen, was uns sonst trennt", bilanzierte Ruh.

Der Theologe hofft, dass der Fall zu einer Änderung der Bleiberechtsregelungen führt. "Wo bleiben die Grundrechte für Flüchtlinge? Diese Diskussion muss geführt werden", forderte Ruh. Die Abschiebung der Familie Nguyen "war ein Schneeball, der eine Lawine ausgelöst hat". Noch sei ein humanes Bleiberecht für Flüchtlinge in Niedersachsen nicht so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber Ruh versprach am Ende seiner Predigt: "Wir arbeiten daran. Amen."

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