Sozialethiker: Vertrauen in Wirtschaft hängt am Umgang mit Schwachen

Nachricht 07. Februar 2012

Berlin/Hannover (epd). Die soziale Marktwirtschaft in Deutschland verliert nach Ansicht des evangelischen Sozialethikers Professor Gerhard Wegner an Vertrauen, weil die Schwachen zu wenig profitieren. Es gebe hierzulande eine große Akzeptanz von Leistungsgerechtigkeit, sagte Wegner, der Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover ist, am Dienstag bei einer Konferenz in Berlin. Im Moment erlebten die Menschen aber, wie das System zum Ungerechten hin kippe.

So gebe es explodierende Gehälter auf Managerseite, während der Niedriglohnsektor wachse und Menschen dauerhaft in Armutssituationen kämen. "Diese Gerechtigkeitslücken müssen dringend geschlossen werden", forderte Wegner bei der Konferenz des Bundeswirtschaftsministeriums und des Wittenberg-Zentrums für globale Ethik über die soziale Marktwirtschaft.

Christliche Ethik in der Wirtschaft zeigt sich Wegner zufolge in einem fairen Wettbewerb und einer solidarischen Verteilung von Gütern und Vorteilen. Diese Form des Wirtschaftens münde in die Erkenntnis: "Es ist gut für mich, dass du besser bist als ich", erläuterte Wegner.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) rief dazu auf, der sozialen Marktwirtschaft zu mehr Vertrauen zu verhelfen. Zudem befürwortete er eine Regulierung der Finanzmärkte. Neue Regeln müssten aber über die aktuelle Diskussion über eine Finanztransaktionssteuer hinausgehen, sagte Rösler.

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