Größtes Institut für Islamische Theologie nimmt Arbeit auf

Nachricht 03. Februar 2012

6,6 Millionen Euro für Ausbildung von Religionslehrern

Osnabrück (epd). An der Universität Osnabrück wird das bundesweit größte Institut für Islamische Theologie in Kürze seine Arbeit aufnehmen. Es werde mit sieben Professuren und mit finanziellen Mitteln von 6,6 Millionen Euro für die kommenden fünf Jahre ausgestattet, sagte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) in Osnabrück. Der Studiengang Islamische Theologie solle noch in diesem Jahr starten.

Zuvor hatten die Universität und islamische Verbände einen "konfessorischen" Beirat gegründet. Damit sei die "letzte Weiche" zur Gründung des Instituts gestellt worden, sagte Wanka. Der Beirat werde gewährleisten, dass die Muslime an den Studieninhalten und an der Besetzung der Professuren mitwirkten. Vorbild sei die Beteiligung der christlichen Kirchen in der katholischen und evangelischen Theologie.

Zum Wintersemester 2012/2013 beginnt nach Angaben der Ministerin die reguläre Ausbildung islamischer Religionslehrer für Grund-, Haupt- und Realschulen. Studenten könnten dann erstmals in Deutschland islamische Religionspädagogik als zweites Fach in einem Bachelor- oder Masterstudiengang belegen. Bislang war das seit 2007 nur als drittes Erweiterungsfach möglich.

Nach den Sommerferien werde in Niedersachsen als erstem Bundesland islamische Religion als ordentliches Schulfach unterrichtet, sagte der Osnabrücker Religionspädagoge Professor Bülent Ucar. Ein vor fast zehn Jahren gestarteter Schulversuch habe dazu gute Vorarbeit geleistet. Die Entwicklung insgesamt zeige, dass die islamische Theologie in der Normalität angekommen sei: "Wir wollen nicht mehr als das, was für Christen und Juden auch gilt."

Das neue Osnabrücker Institut werde in Zusammenarbeit mit der Islamischen Theologie der Universität Münster das "Zentrum für Islamische Theologie Münster/Osnabrück" bilden. Dieses ist dann eins von vier Zentren in Deutschland. Studenten könnten zwischen beiden Standorten pendeln, hieß es. Neben der Ausbildung von Religionslehrern werde in Osnabrück auch die sehr erfolgreiche Imam-Weiterbildung fortgeführt. Von den sieben geplanten Professuren könnten die ersten beiden bereits in Kürze besetzt werden.

Der konfessorische Beirat des Instituts besteht aus jeweils drei Vertretern des Landesverband der Muslime in Niedersachsen ("Schura") und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB). Hinzu kommen drei von der Universität und diesen Verbänden benannte Theologen.

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