Diakonie warnt: Klirrender Frost bedroht Obdachlose

Nachricht 30. Januar 2012

Hannover/Bremen (epd). Der strenge Frost und die eisigen Nächte bedrohen nach Angaben der Diakonie in Niedersachsen obdachlose Menschen. "Das ist extrem gefährlich", warnte am Dienstag der Leiter der diakonischen Notunterkunft Jakobushaus in Bremen, Axel Brase-Wenzell. Straßensozialarbeiter bemühten sich, die Menschen von der Straße in die Notunterkunft zu bringen. In dem Haus stünden 70 Plätze zur Verfügung. "Wir haben noch Platz. Niemand muss im Freien schlafen."

Die Kälte schwäche die Widerstandskräfte der Menschen auf der Straße, sagte Brase-Wenzell. Er rief dazu auf, auf die Obdachlosen acht zu geben. Wenn Alkohol im Spiel sei, merkten viele gar nicht, wie ihr Körper auskühle und der Kältetod näher komme: "Wenn Sie jemanden sehen, der bei diesen Temperaturen neben seinem Schlafsack schläft, sprechen Sie ihn an oder rufen sie per Notruf 110 die Polizei."

In den vergangenen 20 Jahren sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe in Deutschland mehr als 270 Menschen erfroren. Nach Schätzungen sind bundesweit mehr als 248.000 Menschen wohnungslos. Rund 22.000 von ihnen leben auf der Straße.

Peter Szynka, verantwortlich für die diakonische Wohnungslosenhilfe in Niedersachsen, sagte, nur wenige Menschen müssten tatsächlich draußen übernachten. "Aber wenn es auch nur 20 sind, sind es 20 zu viel". Es gebe zwar genügend Notunterkünfte, aber zu wenig günstige Wohnungen, um die Obdachlosigkeit effektiv zu senken.

Etliche Obdachlose wollten partout nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft übernachten, sagte Szynka. Sie suchten Schutz und Wärme in U-Bahn-Stationen und Bahnhöfen. Mit der Deutschen Bahn sei vereinbart, Obdachlose bei Minustemperaturen nicht mehr zu vertreiben.

In Braunschweig besuchen trotz der Kälte nicht mehr Menschen die Tagesaufenthalte. "Armut ist nicht temperaturabhängig", sagte der Geschäftsführer der Diakonischen Stiftung Wohnen und Beraten, Maik Gildner. Die Leute blieben allerdings jetzt länger in den geheizten Räumen. Auch die Fälle derer, die ihre Heizkosten nicht mehr bezahlen könnten, häuften sich.

Diese Beobachtung teilt auch der Leiter der Zentralen Belegungsstelle der Diakonie in Hannover, Gottfried Schöne. Für Bedürftige werde täglich ein ökumenischer Mittagstisch angeboten. "Die Zahlen steigen. Am vergangenen Freitag hatten wir mehr als 200 Besucher, soviel wie nie zuvor."

Die Verelendung der ärmsten Menschen nehme zu, sagte Schöne. Offenbar werde es für sie immer schwieriger, sich gegen die kalten Temperaturen auszurüsten. Alle Tagesaufenthalte verfügten über eine Kleiderkammer oder ein Magazin mit warmer Kleidung, Iso-Matten und Schlafsäcken. Doch seien die Vorräte bei extremen Minusgraden schnell aufgebraucht: "Wir sind für Sachspenden immer dankbar."

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