Diakoniedirektor Künkel zum Thema Kinderarmut

Nachricht 25. Januar 2012

Hannover/Bremen (epd). Immer weniger Kinder in Niedersachsen leben in Armut. Die Zahl der unter 15-Jährigen, die von Hartz-IV-Leistungen leben müssen, ist nach eine Analyse der Bundesagentur für Arbeit zwischen 2006 und 2011 von 201.600 um fast 20 Prozent auf 161.750 zurückgegangen. In Bremen sei die Zahl der Kinder, die staatliche Leistungen beziehen, von 27.500 auf 24.370 gesunken. Damit liegt das kleinste Bundesland jedoch mit einem Rückgang von 11,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 13,5 Prozent.

Besonders deutlich ist der Rückgang nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) im vergangenen Jahr gewesen. Von September 2010 bis 2011 sei die Zahl der unter 15-Jährigen in Hartz-IV-Haushalten bundesweit um fast 84.000 auf jetzt 1.64 Millionen gesunken. 

Die Zahlen seien zunächst erfreulich, sagte der hannoversche Diakoniedirektor Christoph Künkel dem epd. Sie zeigten jedoch lediglich, dass sich die Einkommen der Menschen im Niedriglohnbereich etwas nach oben verschoben haben: "Es gibt noch keinerlei Anlass zur Entwarnung." Noch immer lebten viel zu viele Kinder in Armut. "Vor Ort in den Gemeinden sind unsere Projekte zur Armutsbekämpfung nach wie vor gefragt", sagte Künkel. Es seien weiterhin erhebliche Gelder erforderlich, um Kindern aus der Armut zu helfen.

Die hannoversche Landeskirche und ihre Diakonie unterstützen mit dem Projekt "Zukunftsgestalten - allen Kindern eine Chance" Hilfsprojekte für Kinder. Die Initiative fördert und organisiert im Gebiet der Landeskirche Hausaufgabenhilfen, Ferienbetreuungen oder einen warmen Mittagstisch. Insgesamt unterstützt sie rund 150 Programme mit etwa 1.500 Ehrenamtlichen.

Der Sozialexperte im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Markus Grabka, bestätigte: "Kinderarmut bleibt das zentrale sozialpolitische Problem in Deutschland." Wenn Eltern mit ihren Kinder aus Hartz IV rauskämen, sei dies längst keine Garantie, nicht von Armut betroffen zu sein, sagte der DIW-Experte.

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