Uraufführung bringt Schicksal illegaler Einwanderer auf die Bühne

Nachricht 21. Januar 2012

Wilhelmshaven (epd). Das Schicksal illegaler Einwanderer hat das Stadttheater Wilhelmshaven am Samstagabend mit einer Uraufführung auf die Bühne gebracht. "Bilal - Leben und Sterben als Illegaler" heißt das Drama, das in der Bühnenfassung von Peter Höner nach einer Reportage des italienischen Journalisten Fabrizio Gatti entstand. Vor der Aufführung diskutierte er im Foyer des Stadttheaters mit dem Dramaturgen Peter Hilton Fliegel und dem Referenten für Menschenrechte und Migration der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrat Thorsten Leißer.

Bilal ist ein Illegaler, der aus Afrika nach Europa flüchtet. Tatsächlich ist Bilal aber der Journalist und "italienische Wallraff" Fabrizio Gatti, der sich unter die Migranten gemischt hat, um zu erleben, was sie erleben und davon in einem Buch zu erzählen.

Von Dakar zieht er mit dem Flüchtlingsstrom bis in die Sahara. Auf klapprigen Lastwagen durchqueren sie unter unvorstellbaren Entbehrungen zu Hunderten die Wüste. Immer wieder werden sie überfallen. Schlepper und korrupte Polizisten wechseln sich darin ab, die Flüchtlinge auszunehmen. Wer die gefährliche Überfahrt in viel zu vollen Booten übers Meer überlebt, strandet in Auffanglagern wie auf der italienischen Insel Lampedusa, die Menschenkäfigen ähneln.

Im Frühjahr 2010 beauftragte die Landesbühne Niedersachsen Nord den Schweizer Autor Peter Höner mit der Dramatisierung dieses Stoffes. In der Bühnenfassung ist nun ein Schwerpunkt auf der Rolle des Journalisten zu sehen, der sich mit dem Problem konfrontiert sieht, dass er mit dem Elend der Migranten seinen Lebensunterhalt bestreitet. Auch um die Konsequenzen der EU-Abschottungspolitik geht es. Die Regie hat Eva Lange.

Die EKD setzt sich schon länger dafür ein, dass Flüchtlinge auch an den Außengrenzen der EU Zugang zu einem fairen und effektiven Asylverfahren haben. Die besondere Menschenwürde sei unteilbar und gelte allen Menschen, auch denen auf der Flucht vor Hunger, Umweltkatastrophen und Kriegen, sagte ihr Menschenrechtsreferent Leißer. Die EKD hat zu dem Thema ein Materialheft unter der Leitfrage "Kein Raum in der Herberge Europa?" vorgelegt.

Im Februar stehen weitere "Bilal"-Aufführungstermine auf dem Spielplan in Wilhelmshaven. Am 6. Februar ist zudem vor dem Stück eine Gesprächsrunde mit Flüchtlingen im oberen Foyer des Theaters geplant, die um 18.30 Uhr beginnt. Das Ensemble geht außerdem auf Tour und spielt in nächster Zeit in Papenburg, Leer, Emden, Wittmund, Jever, auf Norderney und in Esens.

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