Superintendent lobt Unwort-Wahl "Dönermorde"

Nachricht 21. Januar 2012

Northeim (epd). Der evangelische Superintendent Heinz Behrends hat die diesjährige Wahl zum Unwort des Jahres "Dönermorde" gelobt. "Das Wort hat die Familien der Opfer verhöhnt und die Falschen beschuldigt", sagte Behrends am Sonntag im NDR-Radio. Die Polizei habe sich scheinbar nichts dabei gedacht, als sie die von Neonazis verübte Mordserie "Dönermorde" und ihre Ermittlungsgruppe "Istanbul" nannte, sagte der Superintendent aus Northeim. Die Wahl zum Unwort 2011 könne aber eine Art Wiedergutmachung sein.

Die Sprache werde heute nicht mehr angemessen gewürdigt, kritisierte Behrends. "In E-Mails und SMS wird in Abkürzungen geredet." In anonymen Kommentaren im Internet gebe es lauter sprachliche Entgleisungen. "Sprache ist mehr als eine Aneinanderreihung von Buchstaben." Sie könne Menschen diffamieren, Vorurteile stärken und Beziehungen zerstören. Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gekürt.

Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern, Journalisten und Schriftstellern wählte den Begriff aus 923 verschiedenen Vorschlägen aus dem In- und Ausland. Insgesamt hatten sich 2.420 Einsender mit Vorschlägen an der Wahl beteiligt, mehr als je zuvor in der elfjährigen Geschichte des Unworts. Auf den Plätzen zwei und drei folgten die Begriffe "Gutmensch" und "marktkonforme Demokratie".

Behrends sagte, er hätte "marktkonforme Demokratie" zum Unwort gewählt. Es sei unmöglich, wenn Demokratie sich dem Geld anpasse und Freiheit und Verantwortung vom Kapital bestimmt würden. "Ein Un-Sozialstaat käme dabei raus, der Einstieg in eine Diktatur."

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