Abgeschobene Familie Nguyen in Hannover gelandet

Nachricht 30. Januar 2012

Hannover/Hoya (epd). Die vor fast drei Monaten nach Vietnam abgeschobene Familie Nguyen aus Hoya ist am Dienstagvormittag, 31. Januar, auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen gelandet. Gemeinsam mit der ältesten Tochter Ngoc Lan begrüßten rund 40 Freunde und Unterstützer das Ehepaar und die beiden kleinen Kinder. Die Familie, die 19 Jahre in Deutschland lebte, war Anfang November nach Vietnam abgeschoben worden. Die 20-jährige Tochter, die ein Aufenthaltsrecht besitzt, blieb allein zurück.

Sie nahm ihre Eltern und Geschwister am Flughafen abseits vom großen Medienrummel in Empfang. Als die Familie mit der Hoyaer Kirchenvorsteherin Renate Paul durch die Tür in den Empfangsbereich trat, sangen ihre Unterstützer "Freude schöner Götterfunken". Sie überreichten Blumen und Luftballons. Die Mutter und die älteste Tochter hielten sich weinend in den Armen. Mitschülerinnen ihrer neunjährigen Schwester reckten ein Schild mit der Aufschrift "Herzlich Willkommen Esther, Deine Klasse" in die Höhe.

"Ich bin sehr froh, dass wir wieder in Deutschland sind", sagte der Vater Tuong Nguyen. Einerseits sei es schön gewesen, dass er in Vietnam seine Familie wieder gesehen habe. "Aber dort ist das Leben so anders, wir konnten uns einfach nicht einleben." Vor allem die Kinder André (6) und Esther hätten gelitten, ergänzte seine Frau unter Tränen. Und die ältere Schwester Ngoc fügte an: "Es hat ihnen so wehgetan, dass sie nicht zur Schule gehen konnten und kein normales Leben hatten wie in Deutschland."

Die Abschiebung der Familie hatte hohe Wellen geschlagen, weil sie als Beispiel für gelungene Integration gilt. Die Kinder besuchten Grundschule und Kindergarten, die Eltern arbeiteten in einer Baumschule. Nach heftigen Protesten von Kirchen, Flüchtlingsorganisationen und Privatpersonen hatte sich der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) für ihre Rückkehr eingesetzt. Sie erhielten schließlich einen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland, mussten danach jedoch noch wochenlang auf ihre Reisepässe warten.

Jetzt sei der Aufenthaltsstatus zunächst für drei Jahre gesichert, sagte der evangelische Pastor Andreas Ruh, dessen Gemeinde seit Jahren dafür kämpft, dass die Nguyens in Deutschland bleiben können. Er gehe davon aus, dass sie auch darüber hinaus nicht mehr fort müssten. Politiker, die ebenfalls für die Familie eingetreten waren, kritisierten die geltende Rechtssprechung. "Jeder muss begreifen, dass dieses Ausländerrecht nicht richtig ist und die Menschlichkeit mehr zum Zuge kommen muss", sagte die Hoyaer Bürgermeisterin Anne Wasner (SPD).

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig sprach von einer Lücke in der Gesetzgebung. Die Härtefallkommission müsse mehr ausrichten können, damit gut integrierte Flüchtlinge nicht abgeschoben werden. Der Landtagsabgeordnete der Grünen, Helge Limburg, kritisierte die restriktive Auslegung des Ausländerrechtes in Niedersachsen. So sei im Fall der Nguyens ein Antrag an die Härtefallkommission gar nicht erst zugelassen worden, weil bereits ein Abschiebetermin festgelegt gewesen sei.

Der niedersächsische Flüchtlingsrat forderte: "Die Rückkehr der Familie Nguyen kann nur der Anfang sein für die Lösung weiterer Fälle, bei denen Familien durch Abschiebung auseinandergerissen und ins Unglück gestürzt wurden."
 

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Hannover/Hoya (epd). Die vor mehr als zwei Monaten nach Vietnam abgeschobene Familie Nguyen aus Hoya wird an diesem Dienstag um 10.55 Uhr auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen landen. Das Ehepaar und die beiden kleinen Kinder säßen bereits im Flieger nach Bangkok, sagte die Vorstandsvorsitzende der evangelischen Kirchengemeinde Hoya, Renate Paul, am Montag dem epd. "Das ist das Ende eines langen Weges", betonte Paul, die seit Jahren die Familie im Kampf um ein Aufenthaltsrecht unterstützt.

Neben der 20-jährigen Tochter Ngoc Lan wollten rund 40 Freunde und Unterstützer mit einem Reisebus zum Flughafen fahren, sagte Paul. Die Familie, die 19 Jahre in Deutschland lebte, war Anfang November nach Vietnam abgeschoben worden. Die 20-jährige Tochter, die ein Aufenthaltsrecht besitzt, blieb allein zurück. Der Fall schlug hohe Wellen, weil die Familie als Beispiel für gelungene Integration galt.

Die Eltern arbeiteten in einer Baumschule. Der sechsjährige André ging in den Kindergarten, die neunjährige Esther in die Grundschule. "Jetzt werden auch Kindergartenkinder und Freunde von Esther aus der Grundschule mit zum Flughafen fahren", sagte Paul. Am Montag schmückten die Unterstützer die Wohnung der Familie mit Girlanden und Luftballons. "Wir bereiten uns schon lange auf diesen Moment vor."

Die Nguyens, die in beengten Verhältnissen bei Verwandten in Hanoi untergekommen waren, mussten wochenlang auf ihre Reisepässe warten. Vor allem die sechs und neun Jahre alten Kinder litten stark unter Heimweh. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte sich nach Protesten von Kirchen, Flüchtlingsorganisationen und Privatpersonen für ihre Rückkehr eingesetzt. Nach kurzer Prüfung hatte das Bundesinnenministerium der Familie einen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland gewährt.

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