"Tiere müssen in Würde leben können" - Drei Fragen an den hannoverschen Agrarexperten Karl-Heinz Friebe zur Grünen Woche

Nachricht 19. Januar 2012

epd-Gespräch: Corinna Buschow

Hannover/Berlin (epd). Der hannoversche Pastor Karl-Heinz Friebe ist Referent des Kirchlichen Dienstes auf dem Lande der hannoverschen Landeskirche. Was ihm in der Landwirtschaft momentan am meisten Sorgen bereitet, sagte er anlässlich der Agrarmesse Grüne Woche in einem epd-Gespräch.

epd: Pastor Friebe, Sie kommen aus Niedersachsen. Hier gab es in den vergangenen Wochen vor allem negative Schlagzeilen über die Zustände in der Hähnchenmast. Essen Sie selbst noch gern Hähnchen?
 
Friebe: Natürlich esse ich noch Hähnchen, Geflügel und anderes Fleisch. Ich achte aber darauf, wer das produziert und vor allem wie das produziert wird. Die tierethischen Fragen sind momentan eine große Herausforderung für uns.

epd: Welche Entwicklungen in der Landwirtschaft machen Ihnen besonders Sorgen?
 
Friebe: Wir müssen uns die Fragen stellen, ob ein landwirtschaftliches Produkt ein beliebig austauschbares Massenprodukt sein soll. Außerdem müssen wir gucken, wo die Verantwortung in der Landwirtschaft liegt. Können Landwirte mit dem Argument der Nachfrage alles auf den Markt schieben? Und können Verbraucher immer nur das billigste Produkt verlangen? Wir dürfen nicht vergessen, dass mit landwirtschaftlichen Produkten auch Geld verdient werden muss. Deswegen brauchen wir eine neue Solidarität zwischen Konsumenten und Produzenten.

epd: In den nächsten Tagen sind Sie am Kirchenstand auf der Landwirtschaftsmesse Grüne Woche in Berlin zu finden. Was wird ihre wichtigste Botschaft an Landwirte und Verbraucher sein?
 
Friebe: Unser Engagement steht unter dem Titel "Das Auge des Herrn mästet das Vieh". Der Herr ist hierbei der Hirte, der im Tier das Individuum sehen muss. Auch in größeren Ställen muss es in Würde leben können. Und gerade wenn es zum Schlachten vorgesehen ist, wächst die Verantwortung des Landwirts.
 
Die Gesellschaft muss sich indes fragen, wie sie mit ihren Landwirten umgehen will. Aus dem Kontakt mit Bauern weiß ich, dass sie das Gefühl haben, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Es ist richtig, dass beispielsweise geplante Stallbauten diskutiert werden. Im Moment habe ich aber das Gefühl, dass wegen einiger Skandale pauschal alle Landwirte, auch die von kleinen Betrieben verdächtigt werden.

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