Bundesweit erstes Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen eröffnet

Nachricht 15. Januar 2012

Osnabrück gehört zu den geplanten weiteren Standorten für die Ausbildung

Tübingen/Osnabrück (epd). In Tübingen ist am Montag das bundesweit erste Zentrum für Islamische Theologie offiziell eröffnet worden. Das Zentrum sei ein wichtiges Zeichen dafür, dass religiöse Vielfalt für die Gesellschaft keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung sei, sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) bei der Eröffnungsfeier. Es sei außerdem ein "Zeichen für den Respekt vor der Religion des Islam".

Seit Oktober 2011 studieren an der Universität 23 Frauen und 13 Männer den achtsemestrigen Bachelorstudiengang "Islamische Theologie". Neben Tübingen sollen in diesem Jahr Islamische Zentren an den drei Standorten Osnabrück/Münster, Erlangen/Nürnberg und Frankfurt/Gießen an den Start gehen. Dafür will der Bund in den kommenden Jahren insgesamt rund 20 Millionen Euro für Professuren, Mitarbeiterstellen und den wissenschaftlichen Nachwuchs bereitstellen.

Der Osnabrücker Religionswissenschaftler Rauf Ceylan forderte für die Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrern qualitativ hohe Maßstäbe. Die Lehre müsse sich am Grundkonsens der Muslime in Deutschland orientieren und Antworten auf deren Lebenswirklichkeit liefern, sagte der Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt Islamische Religionspädagogik im Deutschlandradio Kultur.

Der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, sagte in seinem Grußwort, das neue Zentrum könne Brücken bauen zwischen Muslimen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft ebenso wie der muslimischen Welt und Europa. Für die europäischen Muslime sei Europa ihre Heimat, in der es keinen Platz für Gewalt und Extremismus geben dürfe, betonte der Großmufti.

Bekir Alboga, Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, sagte, zwar sei die Anerkennung des Islam als Religion in der Universitätslandschaft erfreulich. Es sei jedoch traurig, dass die Muslime juristisch noch nicht als Religionsgemeinschaft anerkannt werden.

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