Erneut Solidaritätsdemonstration für entlassenen Flüchtlingsberater Jilani

Nachricht 14. Januar 2012

Stolzenau/Kr. Nienburg (epd). Mit einer Solidaritätsveranstaltung haben nach Polizeiangaben rund Hundert Sympathisanten am Sonntag friedlich gegen die fristlose Kündigung des Nienburger Flüchtlingsberaters Peter Jilani protestiert. Die Menschen, die Jilani betreut habe, und andere seien empört und entsetzt über die Kündigung. Sie müsse zurückgenommen werden, forderte der Sprecher der Demonstranten, Yücel Özkan. Vor der evangelischen Kirche in Stolzenau wurden nach seinen Angaben Transparente mit Aufschriften wie "soziale Gerechtigkeit für Jilani" oder "Wir brauchen Peter Jilani" hoch gehalten.

Der Flüchtlingsberater war nach dem aufsehenerregenden Mord eines Irakers an seiner 13-jährigen Tochter in Stolzenau vom evangelischen Kirchenkreis entlassen worden. Die Kirche warf ihm vor, seine Schweigepflicht gravierend verletzt zu haben.

Der 64-jährige gebürtige Pakistaner hatte die Familie des Täters und Opfers betreut. Nach dem Mord hatte er öffentlich schwere Vorwürfe gegen den Landkreis Nienburg erhoben. Während vom Vater des Opfers weiterhin jede Spur fehlt, ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen auch gegen die Mutter. Es geht um die Frage, ob sie in irgendeiner Weise beteiligt war.

Der stellvertretende Direktor des Diakonischen Werks der hannoverschen Landeskirche, Jörg Antoine, sagte auf epd-Anfrage, dass Jilani Informationen aus vertraulichen Beratungsgesprächen in die Öffentlichkeit getragen habe. Seine Angriffe gegen den Landkreis seien unsachlich und polemisch gewesen. Dadurch sei die Qualität der diakonischen Beratungsarbeit infrage gestellt worden. Vor allem aber sei die Verletzung der Vertraulichkeitspflicht nicht hinnehmbar.

Der emeritierte Soziologie-Professor Hartmut M. Griese von der Leibniz Universität Hannover appellierte dagegen in einem Offenen Brief an die Kirchenleitung, die Entlassung zurückzunehmen. "Peter Jilani ist ein Musterbeispiel für eine humane, empathische und engagierte Sozialarbeit, die christlichen Werten verpflichtet ist", schreibt der Hochschullehrer, bei dem Jilani studiert hat. Die Kirche könne froh über einen solchen Flüchtlingsberater sein. Seine fristlose Kündigung kurz vor der Rente werde ihr letztlich mehr schaden als nützen. Unterstützung erhielt Jilani auch aus der Missionsarbeit in Hermannsburg bei Celle und aus der Kirchenasyl-Bewegung.

Bereits an Heiligabend hatten rund Hundert Menschen in Nienburg gegen Jilanis Entlassung demonstriert. Am Dienstag wird sich das Nienburger Arbeitsgericht erstmals mit dem Fall befassen.

Jilani war den Angaben zufolge mit Hilfe von Amnesty International 1979 aus Pakistan nach Hannover gekommen. In Pakistan war er als politischer Häftling inhaftiert. In Deutschland studierte er Pädagogik und war anschließend in der Erwachsenenbildung und der Flüchtlingsberatung der Diakonie tätig. Inzwischen ist er deutscher Staatsbürger. Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen sei er ein besonders einfühlsamer Flüchtlingsberater mit hoher Fachkompetenz.

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