Reformationstag feiern

Nachricht 30. Oktober 2011

Von Karen Miether (epd). Papierflieger sausen von Kirchtürmen herab. Ein Bäcker knetet "Lutherfüße" aus Mürbteig. Pastoren steigen in einen Badezuber. Um den Reformationstag wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken, lässt sich die evangelische Kirche einiges einfallen.

Hannover/Cuxhaven (epd). An diesem Montag werden wohl mehr Papierflieger als sonst in Deutschland durch die Luft schweben. Allein in Cuxhaven haben rund hundert Jugendliche für die Aktion "Segensflieger" Schwalben gefaltet und Bibelsprüche auf deren Flügel geschrieben. "Wir rechnen mit mindestens 500 Fliegern", sagt Pastorin Reni Kruckemeyer-Zettel. In der Fußgängerzone wollen die Jugendlichen für regen Luftverkehr und für Aufmerksamkeit sorgen. Mit Aktionen wie dieser wirbt die evangelische Kirche bundesweit für den Reformationstag am 31. Oktober.

Bei spontanen Treffen sollen die Flieger mit den Segensworten unter anderem von Kirchtürmen oder Rathäusern an den Start geschickt werden. Zu diesen Flashmobs können sich Menschen im Internet verabreden: möglichst um 15.17 Uhr - zur Erinnerung an das Jahr 1517 und den Thesenanschlag Martin Luthers (1483-1546). "Luther hat mit Flugblättern gearbeitet und mit dem damals modernen Buchdruck die Bibel verbreitet, wir nutzen jetzt Medien wie Facebook", sagt Pastor Christoph Römhild von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Mit kreativen Ideen versuchen immer mehr Kirchengemeinden am 31. Oktober, dem Halloween-Kult etwas entgegenzusetzen, denn das Gruselfest verdrängt den christlichen Feiertag zunehmend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Statt Fruchtgummi-Kürbissen und Lakritz-Geistern verteilen sie dann Lutherbonbons mit Zitronen-, Orangen und Johannisbeergeschmack. In Peine hämmern Kinder Thesen an eine Tür. Andernorts wird unter dem Motto "Futtern wie bei Luttern" zu den Tischreden des Reformators deftig gespiesen.

Bei der Werbung für das Fest, das als Geburtsstunde der protestantischen Kirche gilt, geht es häufiger kulinarisch zu. In der Lüneburger Heide etwa haben ein Pastor und ein Bäcker süße und herzhafte Rezepte entwickelt, um den Reformationstag schmackhaft zu machen. "Am beliebtesten sind die Lutherfüße aus Quarkmürbteig und mit Käse überbacken", erläutert Bäckermeister Michael Hoffmann aus Müden bei Celle.

Auf Brottüten wird erläutert, wofür das Gebäck steht. Die Lutherfüße sollen an den Reichstag in Worms erinnern, bei dem der Reformator 1521 seine Überzeugungen verteidigte. "Da wird er schön geschwitzt und Käsefüße gehabt haben", schmunzelt der Bäcker. Echte Süßmäuler bevorzugen den "versenkten Adam" aus Äpfeln im Rührteig mit einer "Taufwasserglasur" aus Apfelwein. In diesem Jahr stehen Aussagen Luthers zur Taufe im Mittelpunkt der Aktion, weil in der hannoverschen Landeskirche das "Jahr der Taufe" begangen wird.

Daran knüpft auch der Kirchenkreis Hameln-Pyrmont an. Er gehörte mit seiner Reihe "Hallo Luther" vor acht Jahren zu den ersten, die eine Alternative zu Halloween erfanden. Inspiriert vom Komiker Loriot soll es diesmal in Hameln unter anderem ein Wannengespräch in der Kirche geben. Ein hölzerner Badezuber steht im Münster schon bereit. Pastor Daniel Küchenmeister und Superintendent Philipp Meyer wollen darin in die Rollen von Martin Luther und seines Freundes Philipp Melanchthon schlüpfen und über die Taufe diskutieren - allerdings ohne Gummi-Ente.

Internet: www.ekd.de/segensflieger

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

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Videoblog von Landesbischof Meister zum Reformationstag

Reformation erfordert Mut. Reformationstag ist Ermutigung. Gedanken dazu von Landesbischof Meister sehen Sie in seinem Videoblog unter www.landesbischof-hannovers.de. Dort können Sie auch ihre Meinung zum Thema äußern.

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Reformationstag der EKD in Eisenach

Martin-Luther-Medaille an Harald Bretschneider / Eröffnung des Themenjahres „Reformation und Musik“ mit Schneider und Neumann

Zwei feierliche Akte prägten den Reformationstag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Eisenach (Thüringen): Am Mittag wurde in der Georgenkirche die Martin-Luther-Medaille an den Theologen und bekannten Akteur der friedlichen Revolution in der DDR, Harald Bretschneider, verliehen. Die Verleihung vollzog der Vorsitzende des Rates der EKD, Präses Nikolaus Schneider, die Laudatio hielt der Bundesminister der Verteidigung, Thomas de Maizière. Am Nachmittag eröffneten der Ratsvorsitzende und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Staatsminister Bernd Neumann, gemeinsam das Themenjahr „Reformation und Musik“, das im Rahmen der Lutherdekade das Jahr 2012 prägen soll.

In seiner Würdigung Bretschneiders erinnerte Schneider an die Verdienste des damaligen Jugendpfarrers in den Jahren vor der friedlichen Revolution: „Heute wissen wir, dass die kirchliche Friedensbewegung in der DDR die Wende im Herbst 1989 wesentlich vorbereitet hat. Die Aufnäher mit dem Zitat aus Micha 4 ,Schwerter zu Pflugscharen‘ waren 1989 aus der Öffentlichkeit der DDR verdrängt worden. Doch der Geist dieser Friedensvision war weiter lebendig; es scheint, er hat im Herbst 1989 seine Wirkung erst voll entfaltet. Während die Staatsmacht sich den Demonstranten hoch bewaffnet entgegenstellte, riefen diese mit Kerzen in den Händen: ,Keine Gewalt‘“, so der Ratsvorsitzende. Auch dank der von Bretschneider inspirierten Bewegung sei die Revolution von 1989 eine „friedliche Revolution“ geworden. Bretschneider, seine Familie und die vielen damals überwiegend jungen Menschen in den Kirchen der DDR, die zuweilen hartnäckig und auch gegen „Widerstände innerhalb der Kirchen“ gehandelt haben, hätten gezeigt, „dass und wie“ die Seligpreisung Jesu konkret gelebt werden könne: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“, so Schneider weiter. Der Verleihung der Martin Luther-Medaille, die nach 2008 zum vierten Mal verliehen wurde, war ein Festgottesdienst (Predigt: Landesbischöfin Ilse Junkermann) vorausgegangen.

Am Nachmittag erfolgte nach einem Konzert, in dem der Dresdner Kammerchor, der Thüringische Akademische Singkreis, der Rundfunkchor Wernigerode und das Uwe-Steinmetz-Quartett mitwirkten, die feierliche Eröffnung des Themenjahres „Reformation und Musik“. Schneider erinnerte daran, dass die Musik für Martin Luther sehr wichtig gewesen sei. Luthers Verhältnis zur Musik sei keinesfalls eine „private Liebelei“ gewesen, sondern „ohne sein inniges Verhältnis und seine Leidenschaft für die Musik und für eine klingende Wort-Ton-Beziehung sei Martin Luther nicht zu verstehen, so der Ratsvorsitzende in seiner Ansprache. Der Reformator habe den Menschen nicht nur Ohren und Herzen, sondern auch den Mund geöffnet. Schneider: „Luther hat uns das gemeinsame Singen gebracht. Er hat aus einer hörenden Gemeinde eine singende gemacht. Eine gemeinsam singende. Die Reformation, so Schneider weiter, sei die „erste Singebewegung“ überhaupt gewesen.

Ausdrücklich dankte der Ratsvorsitzende Kulturstaatsminister Bernd Neumann dafür, dass dessen Ministerium das EKD-Musikprojekt „366+1, Kirche klingt 2012“ so großzügig unterstütze. Dieses vom Kulturbüro der EKD zusammen mit den Landeskirchen initiierte Projekt bringe Musikerinnen und Musiker an jedem der 366 Tage des Schaltjahres 2012 zu einem Konzert zusammen, sodass sich ein Konzertband vom 1. Januar bis zum 31.12. 2012 durch ganz Deutschland ziehe. In diesem Projekt, so Schneider abschließend, bringen „Kirche und Gesellschaft miteinander das kulturhistorische Gut der Reformation, ihre einzigartige Lied- und Motettensammlung zum Klingen.“

Hannover, 31. Oktober 2011

Pressestelle der EKD, Reinhard Mawick

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Stichworte: Lutherrose

Was ist eigentlich die Lutherrose? Mehr dazu auf www.hallo-luther.de. Dort gibt es Hintergründe und Ideen rund um den Reformationstag -  z.B., wie Martin Luther 1530 sein Wappen beschreibt:

"Das erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten mich selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht. Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und um solch Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich ist über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste, köstlichste Erz ist."

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Stichwort: Reformationsjubiläum und Lutherdekade

Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 ist das entscheidende Datum der Reformation. Er war der Beginn einer Bewegung, die weltweit Spuren hinterließ und bis heute anhält. Seit 2008 bis zum 500. Jahrestag dieses Ereignisses 2017 läuft ein Countdown: die Lutherdekade. In zehn Themenjahren wird neu durchbuchstabiert, was Reformation bedeutet – damals wie heute. Themen und Projekte zum Reformationsjubiläum unter www.luther2017.de.

31.10.201