EKD- Ratsvorsitzender Schneider und Landesbischof Meister fordern Erkundungsstopp für Gorleben / Atomausstieg ist nationales Thema

Nachricht 30. Oktober 2011

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat einen Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll in Deutschland gefordert. Dazu gehöre auch, dass die Erkundungsarbeiten im Gorlebener Bergwerk gestoppt werden müssten, sagte Schneider nach einem Besuch des Salzstocks am Sonnabend. "Man braucht ein neues Konzept." Schneider war gemeinsam mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister zwei Tage durch die Region gereist.

Für die Kirche sei der Gorleben-Konflikt auch nach dem Atomausstieg ein nationales Thema, betonte er: "Aus der Endlager-Problematik kann man nicht aussteigen. Wir haben hier ein Ewigkeitsproblem." Meister ergänzte, in der Region herrsche seit einer Generation große Verunsicherung. "Es gibt ein so großes Misstrauen, dass Menschen manchmal nicht mehr das Gefühl haben, hier zu Hause zu sein", sagte er nach Gesprächen mit Gorleben-Gegnern, Kirchenvertretern und Vertretern des Bundesamtes für Strahlenschutz.

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) will am 11. November mit den Ministerpräsidenten über einen möglichen Neustart bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager sprechen. Bisher gibt es keine Alternativen zu der Erkundung in Gorleben. Baden-Württemberg hat vorgeschlagen, eine bundesweite Untersuchung von vier Standorten zu starten. Die evangelische Kirche spricht sich seit längeren dafür aus, Alternativen zu Gorleben zu prüfen. Unterstützt von der hannoverschen Landeskirche klagt die örtliche Kirchengemeinde Gartow gegen die weitere Erkundung des Salzstocks. Ihr gehören dort Grundstücke.

Die evangelische Kirche im Gorleben-Konflikt - (Hintergrund)
Von Karen Miether (epd)

Gorleben/Kr. Lüchow-Dannenberg (epd). In den seit mehr als drei Jahrzehnten schwelenden Konflikt um die Gorlebener Atomanlagen hat sich auch die evangelische Kirche von den Ortsgemeinden bis in höchste Gremien eingeschaltet.

Stellungnahmen der Kirche:

Die evangelische Kirche hat sich bis in ihre höchsten Gremien zur deutschen Atompolitik geäußert. Alle Stellungnahmen fordern einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie. Die Atomtechnologie verlange eine Perfektion, die von Menschen nicht zu leisten sei, hieß es aus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Viele hochrangige Kirchenvertreter lehnen die Castor-Transporte in das oberirdische Zwischenlager Gorleben ab. Sie fürchten, dass mit jedem Transport auch der nahe gelegene Salzstock als Endlager wahrscheinlicher wird, noch bevor überhaupt feststeht, ob er dafür geeignet ist.

Die Kirche verlangt ein neues alternatives Suchverfahren, bei dem mehrere Standorte und auch andere Wirtsgesteine als Salz auf ihre Eignung als Endlager für hochradioaktiven Atommüll untersucht werden müssen. Dabei fordert der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider einen Erkundungsstopp für Gorleben. Die Kirche hat große Zweifel am bisherigen Verfahren. Nötig seien mehr Transparenz, vertrauensbildende Maßnahmen, überprüfbare Kriterien für ein Endlager und eine bessere Beteiligung der Öffentlichkeit.

Kirchengemeinden als Grundeigentümer:

Vier evangelische Gemeinden besitzen Grundstücke über dem Salzstock in Gorleben. Die hannoversche Landeskirche, zu deren Bereich Gorleben gehört, hat angekündigt, sich gegen eine mögliche Enteignung zu wehren. Anfang der 1990er Jahre war diese Möglichkeit bereits ins Atomgesetz aufgenommen worden. Der Passus wurde später von der rot-grünen Bundesregierung zunächst gestrichen. Schwarz-gelb will eine Enteignung wieder möglich machen.

Die Kirchengemeinde Gartow, die zu den Grundeigentümern gehört, hat unabhängig davon im Oktober vergangenen Jahres Klage gegen die weitere Erkundung des Salzstocks eingereicht. Sie wird dabei von der Landeskirche unterstützt. Die Gemeinde hält unter anderem die Verlängerung des Rahmenbetriebsplanes von 1982 bis in das Jahr 2020 hinein für rechtswidrig, weil sich nach ihrer Auffassung die Verhältnisse und technischen Anforderungen grundsätzlich verändert haben.

Seelsorger vermitteln bei Konflikten:

Während der Proteste gegen die Transporte mit hochradioaktivem Atommüll vermitteln Seelsorger seit Jahren bei Konflikten zwischen Demonstranten und der Polizei, um Gewalt zu verhindern. Sie sind an weißen Signalwesten zu erkennen. Regelmäßig dokumentieren sie auch, was sie beobachten, und veröffentlichen dazu Berichte. Die Hundertschaften der Polizei werden von Polizeiseelsorgern aus den einzelnen Bundesländern bei ihrem Einsatz begleitet.

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29.10.2011