Evangelische Obdachlosenhilfe mahnt: Wohnungslose werden im Durchschnitt nur 46 Jahre alt

Nachricht 25. Oktober 2011

Gifhorn/Berlin (epd-Gespräch: Manfred Laube). Die Evangelische Obdachlosenhilfe hat eine bessere Versorgung vor allem kranker wohnungsloser Menschen gefordert. Das durchschnittliche Todesalter Wohnungsloser in der Bundesrepublik betrage 46,5 Jahre. "Die meisten sterben an Krankheiten, die durchaus zu heilen gewesen wären", sagte am Dienstag der neue Vorsitzende dieses Fachverbandes der Diakonie, Jens Rannenberg, in Gifhorn im epd-Gespräch.

Rannenberg fordert eine bessere Zusammenarbeit der Krankenhäuser mit den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. "Die Patienten werden zurück auf die Straße entlassen", kritisierte der Vorsitzende des Verbandes mit Sitz in Berlin. Hinzu komme das Problem, dass die ambulante Hilfe Vorrang vor der oft notwendigen stationären Betreuung habe.

125 Jahre nach der Gründung der Evangelischen Obdachlosenhilfe gebe es immer noch Armut in Deutschland. Diese nehme sogar wieder zu, warnte Rannenberg, der dem Vorstand der Diakonischen Heime in Gifhorn-Kästorf angehört. Diese Situation zeige, wie notwendig eine Interessenvertretung wie die Evangelische Obdachlosenhilfe sei.

Untersuchungen zufolge wachse der Anteil jüngerer Menschen, die in Armut leben. Für sie reichten die arbeitsmarktpolitischen Instrumente, die eine Eingliederung ins Berufsleben anstrebten, nicht aus. Rannenberg kritisierte ferner, dass es in einigen ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen überhaupt keine ausgebaute Wohnungslosenhilfe gebe.

Der Fachverband vertritt nach eigenen Angaben 450 Dienste und Einrichtungen, die sich um obdachlose und ausgegrenzte Menschen kümmern. Mit einem Anteil von 50 Prozent ist demnach die Diakonie der größte Träger der Wohnungslosenhilfe in Deutschland. Rannenberg ist in der vergangenen Woche in Berlin zum Vorsitzenden gewählt worden.

Internet: www.evangelische-obdachlosenhilfe.de

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25.10.2011