EKD-Friedensbeauftragter Brahms bleibt bei Kritik an Libyen-Einsatz

Nachricht 24. Oktober 2011

Bremen (epd). Auch nach dem Umsturz in Libyen und dem Tod des Diktators Muammar al-Gaddafi bleibt der evangelische Friedensbeauftragte Renke Brahms bei seiner Kritik am internationalen Militäreinsatz. "Eine militärische Aktion mit dem großen Begriff der Befreiung zu verknüpfen, fällt mir schwer", sagte der leitende Bremer Theologe am Montag dem Internetportal "evangelisch.de": "Noch weiß ja niemand, wie es weiter gehen wird."

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sagte, selbst wenn nun ein demokratischer Staat entstehe, müsse dieser mit dem Tod Zehntausender Menschen umgehen, "die auch durch die Angriffe der militärischen Intervention zu beklagen sind". Die Staaten, die in Libyen militärisch eingegriffen haben, seien weit über das Mandat des UN-Sicherheitsrates hinausgegangen. "Sie sind in dem Konflikt Partei geworden, indem sie in massiver Weise Angriffe geflogen haben", sagte Brahms, leitender Theologe der evangelischen Kirche in Bremen.

Eine Flugverbotszone durchzusetzen und die Zivilbevölkerung zu schützen, sei nach wenigen Tagen erreicht worden und hätte den Abbruch oder zumindest die Aussetzung der Angriffe zur Folge haben müssen. "Insofern ist wieder einmal deutlich geworden, dass militärische Interventionen ihre eigene Logik haben, die kaum zu stoppen ist", sagte der EKD-Friedensbeauftragte.

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24.10.2011