Evangelische Zeitung: Braunschweiger Landesbischof Weber warnt Kirchen vor zu "kleingliedrigem Denken"

Nachricht 23. Oktober 2011

Hannover/Braunschweig (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen sollten sich nach Ansicht des Braunschweiger Landesbischofs Friedrich Weber nicht in "zu kleingliedrigem Denken" verlieren. Zwar sei die Situation in Niedersachsen eine andere als in der künftigen Nordkirche von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern, schreibt Weber in einem Gastbeitrag der in Hannover und Hamburg erscheinenden Evangelischen Zeitung. Dennoch habe es in der Vergangenheit immer wieder Initiativen gegeben, die fünf Kirchen stärker miteinander zu verbinden.

Im Ostseeband Heringsdorf beraten seit Donnerstag 266 Kirchenparlamentarier über die Verfassung der geplanten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Die Gründung soll Pfingsten 2012 in Ratzeburg gefeiert werden.

Bischof Weber schreibt, in Niedersachsen gebe es die Mehrzahl der Landeskirchen von Braunschweig, Hannover, Oldenburg, Schaumburg-Lippe sowie der reformierten Kirche bereits seit Jahrhunderten. Sie seien stabil auf Regionen bezogen und wirtschaftlich gut aufgestellt. Sie hätten sich vor 40 Jahren für eine Konföderation entschieden, um bestimmte Aufgaben gemeinsam zu verantworten. Dazu gehören eine gemeinsame Gesetzesgebung, der Rechtshof als Verfassungs- und Verwaltungsgericht und die kirchliche Publizistik.

Als Ratsvorsitzender der Konföderation habe er vor zwei Jahren ein Nachdenken über mögliche weitere Kooperationen der Kirchen angeregt, so Weber. Diese Initiative sei "höchst kontrovers diskutiert" worden: "Eine einheitliche Linie war nicht erkennbar." Als Folge sei von der Konföderationssynode jedoch ein Reformausschuss installiert worden, um über die künftige Zusammenarbeit zu beraten. Ein Ergebnis soll im kommenden Jahr präsentiert werden.

Die fünf Kirchen repräsentieren insgesamt rund vier Millionen Mitglieder. Die Konföderation bildet auf evangelischer Seite das Gegenüber zum Land Niedersachsen.

Die Evangelische Zeitung erscheint an diesem Wochenende zum zweiten Mal in ihrer Geschichte im Tabloid-Format und ist damit nur halb so groß wie gewöhnlich. Dieses Klein-Format sei beim Kirchentag in Dresden im vergangenen Sommer bei vielen Leserinnen und Lesern gut angekommen, sagte der Mitherausgeber der "Evangelischen Zeitung", Christof Vetter, in Hannover.

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23.10.2011