Diakonie protestiert gegen gesellschaftliche Ausgrenzung Beschäftigungsloser

Nachricht 21. Oktober 2011

Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier bezeichnete es als nicht hinnehmbar, dass Menschen als "arbeitsmarktfern" oder "schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose" bezeichnet werden. "Damit wird in Wirklichkeit ihre dauerhafte gesellschaftliche Ausgrenzung besiegelt", sagte Stockmeier in Halle vor der Diakonischen Konferenz. "Hunderttausende werden so ins Niemandsland der Beschäftigungslosigkeit abgeschoben."

Die "Reform der arbeitsmarktpolitischen Instrumente", die so genannte Instrumentenreform, interessiere sich ohnehin nicht mehr für die, die ohne arbeitsmarktpolitische Maßnahmen keine Chance auf Teilhabe hätten, kritisiert der Diakonie-Präsident.

Er appellierte daher eindringlich an die Gliedkirchen der EKD und die Diakonischen Werke sowie an die kommunalen Arbeitsverwaltungen, die Umsetzung des Passiv-Aktiv-Transfer-Modell der Diakonie zu wagen. Der Grundgedanke sei, soziale Transferleistungen in Leistungen der Arbeitsförderung umzuwidmen.

"Bei Reformen in der Sozialpolitik", so der Diakonie-Präsident, "gehe es allermeist nicht um Reformen, sondern um die Verkürzung von Leistungen.
Sparbeiträge werden überproportional dem Bereich der Sozialpolitik abverlangt.
In der Spur des Evangeliums ist es aber nicht hinnehmbar, dass die finanziellen Lasten sozial unausgewogen verteilt werden."

Des Weiteren erklärte Stockmeier in seinem Vorstandsbericht, die Diakonie werde die Umsetzung des neuen Bundesfreiwilligendienstes in den nächsten Monaten weiterhin unterstützend und kritisch begleiten, "damit die gute Idee der Förderung freiwilligen Engagements nicht durch einen bürokratischen Hindernislauf und Hürden für die Träger ins Gegenteil verkehrt wird."

Anschließend berichtete Cornelia Füllkrug-Weitzel, Vizepräsidentin und Direktorin von "Brot für die Welt" und Diakonie Katastrophenhilfe, über die aktuelle Lage in Somalia und die Herausforderungen für die humanitäre Hilfe. Sie hob die Mitverantwortung der internationalen Staatengemeinschaft für die somalische Katastrophe, die nicht nur der Dürre, sondern wesentlich auch dem Krieg geschuldet ist, hervor.

Da gegenwärtig nur 30 Prozent der etwa 3,7 Millionen akut von Hunger Betroffenen in Somalia aufgrund des politischen Konfliktes erreicht würden, forderte Füllkrug-Weitzel, dringend alles zu tun, was den humanitären Zugang verbessert und zu unterlassen, was ihn verschlechtert. Dafür sollte mit allen Konfliktparteien, auch den Vertretern der Al Shabab-Milizen, gesprochen werden, um eine humanitäre Waffenruhe auszuhandeln und endlich über eine langfristige Perspektive des Landes zu verhandeln. Dazu sollte die internationale Gemeinschaft schneller über die Hürde springen als in Afghanistan bezüglich der Verhandlungen mit den Taliban.

Im Rahmen der Armutsbekämpfung fördere "Brot für die Welt" gezielt Projekte, bei denen arme Menschen Zugang zu sauberen Technologien erhielten. Finanziert würden diese Projekte aus Verkaufserlösen für Emissionsminderungszertifikate, die von der "Klima-Kollekte", einer gemeinnützigen Gesellschaft gegründet von Evangelischer Kirche, Evangelischem Entwicklungsdienst und Diakonischem Werk der EKD, vertrieben würden. Kirchliche und diakonische Einrichtungen könnten diese Zertifikate erwerben, in dem sie nicht vermeidbare Emissionen wie Dienstflüge, Gebäudewärme oder Papierverbrauch durch Spenden kompensierten.

Die Diakonische Konferenz wurde am Dienstagabend (18. Oktober) in der Marktkirche "Unser lieben Frauen" in Halle mit einem Festgottesdienst eröffnet.

Die Diakonische Konferenz ist das oberste, beschlussfassende Gremium des Diakonischen Werkes der EKD. Sie den Mitgliedern zur Information, zum Austausch und zur Beratung. Mitglieder sind die Evangelische Kirche in Deutschland, neun Freikirchen und freikirchliche Diakonische Werke, die Diakonischen Werke der 20 Landeskirchen der EKD und 76 Fachverbände. Insgesamt gehören der Diakonischen Konferenz 93 Personen an.

Bundesweit gibt es etwa 27.100 diakonische Einrichtungen und Dienste, die sich in ihrer Arbeit insbesondere für Kinder sowie ältere, behinderte und sozial benachteiligte Menschen engagieren. Rund 453.000 Mitarbeitende sind hauptamtlich in den Einrichtungen der Diakonie beschäftigt, sie werden unterstützt von mehr als 450.000 Ehrenamtlichen.

Ute Burbach-Tasso, Pressesprecherin, Diakonisches Werk der EKD e.V.

pressestelle@diakonie.de; www.diakonie.de
 

 

21.10.2011