Evangelische Talkshow Tacheles: Grünen-Politiker Ströbele gegen staatlichen Religionsunterricht - Bischof Meister für Bündnis von Glaube und Vernunft

Nachricht 13. Oktober 2011

Hannover (epd). Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele hat sich gegen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gewandt. "Die Schule ist eine staatliche Veranstaltung, da gehört eine neutrale Information hin", sagte er am Mittwochabend in Hannover bei der Aufzeichnung der evangelischen Fernseh-Talkshow "Tacheles".

Für die Mehrzahl der Menschen sei das Thema Menschenwürde wichtiger als der Glaube an Gott. "Es ist keine Erziehung zur Toleranz, wenn im Unterricht gelehrt wird, dass derjenige, der nicht glaubt, in die Hölle kommt", sagte der Jurist in der Sendung zum Thema "Sehnsucht nach Sinn: Wie viel Kirche braucht das Land?" in der Marktkirche.

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister wies Vorwürfe wie diesen als vereinfachend zurück. An den Schulen werde qualifizierter Religionsunterricht erteilt: "Warum sollen wir den Kindern die Fragen nach Beginn und Ende des Lebens oder nach Orientierung vorenthalten?" Der evangelische Bischof plädierte für ein Bündnis von Glaube und Vernunft. Er bezog sich auf eine repräsentative emnid-Umfrage zu der Sendung, nach der 71 Prozent der Deutschen einen staatlichen Religionsunterricht befürworten.

Staatssekretär Hermann Kues (CDU) vom Bundesfamilienministerium sagte, das staatliche Zusammenleben in Deutschland sei sehr stark vom Christentum geprägt. "Wir müssen unsere Wurzeln kennen", betonte er: "Das zu vermitteln leistet der Religionsunterricht." Kues verwies darauf, dass gerade in Ostdeutschland viele Eltern ihre Kinder an einer christlichen Schule anmeldeten. "Es wäre geradezu aberwitzig, wenn die Schule alles anbietet, aber keinen Religionsunterricht." Die emnid-Zahlen zeigten, dass die Menschen damit gute Erfahrungen gemacht hätten.

Der Kirchen-Kritiker Philipp Möller von der Giordano-Bruno-Stiftung dagegen hält den Religionsunterricht für komplett überflüssig: "Die konfessionelle Bibelstunde kostet alle Steuerzahler vier Milliarden Euro im Jahr." Die Existenz Gottes sei in etwa so wahrscheinlich wie die Existenz einer "Zahnfee". Scharfe Kritik übte Möller auch an der Papstrede im Bundestag: "Die Papstbank ist die weltweit größte Geldwaschmaschine der Mafia", sagte er. "Statt ihn vor Gericht zu stellen, laden wir ihn ins Parlament ein und schmeißen eine 50-Millionen-Euro-Party."

Die Talkrunde wird an diesem Sonntag (16. Oktober) um 13 und 24 Uhr auf Phoenix ausgestrahlt. "Tacheles" wird getragen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der hannoverschen Landeskirche und der Klosterkammer Hannover.

Internet: www.tacheles.tv

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13.10.2011