Somalischer Flüchtling kann nach Kirchenobhut Asylantrag stellen

Nachricht 11. Oktober 2011

 

Beverstedt/Kr. Cuxhaven (epd). Der fast sechs Wochen durch eine Kirchengemeinde geschützte 19-jährige somalische Flüchtling kann in Deutschland einen Asylantrag stellen. Das habe ihm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schriftlich mitgeteilt, sagte am Mittwoch der Beverstedter Gemeindepastor Martin Krarup. Die evangelische Gemeinde hatte sich zu einem offenen Kirchenasyl für den jungen Mann entschieden, weil er nach Malta abgeschoben werden sollte. Offen heißt, dass die Behörden über das Kirchenasyl informiert waren.

Abdi M. sollte aus formalen Gründen nach Malta zurück, weil er über den Inselstaat zunächst nach Schweden und später nach Deutschland geflohen war. Laut der seit März 2003 gültigen "Dublin-II-Verordnung" ist der EU-Mitgliedsstaat für das Asylverfahren zuständig, über den der Flüchtling nach Europa gekommen ist. Im Beverstedter Fall hatten die Behörden Krarup zufolge sechs Monate Zeit, um den jungen Somali abzuschieben. Diese Frist sei am 23. September abgelaufen, hieß es.

"Wäre Abdi untergetaucht, hätte sie sich auf eineinhalb Jahre verlängert", ergänzte Krarup. Doch das Bundesamt habe das offene Kirchenasyl nicht als Untertauchen gewertet. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit allen Behörden vertrauensvoll gewesen. Der Somali ist jetzt wieder in ein Obdachlosenheim im nahe gelegenen Hagen gezogen, um dort den weiteren Verlauf des Verfahrens abzuwarten. Dort wird er wie bisher auch von einer Flüchtlingsinitiative unterstützt. Zudem arbeitet er als Ein-Euro-Jobber in der Papageienstation Hoope und lernt Deutsch.

Auch der Niedersächsische Flüchtlingsrat hatte sich dafür eingesetzt, dass der Mann nicht abgeschoben wird und begrüßte die Entscheidung des Bundesamtes. Es sei bekannt, dass der kleine Inselstaat Malta mit Asylverfahren und der angemessenen Versorgung von Schutzsuchenden überfordert sei. Der Fall des jungen Mannes sei symptomatisch für eine verantwortungslose europäische Flüchtlingspolitik. Trotz der Verhältnisse auf Malta würden ungerührt Flüchtlinge aus formalen Gründen abgeschoben.

Der Flüchtlingsrat forderte das Bundesinnenministerium auf, ein Abschiebestopp nach Malta anzuordnen. Der junge Somali verließ den Angaben zufolge 2007 als 15-Jähriger seine Heimat, nachdem er dort von islamistischen Rebellen entführt und für sie mit der Waffe kämpfen sollte. Aus Angst vor weiterer Verfolgung floh er durch die Wüste nach Libyen und wurde dort festgenommen. Nach seiner Freilassung floh er mit einem Boot nach Malta und wurde dort wiederum für acht Monate inhaftiert. Durch seine Flucht sei er schwer traumatisiert, sagte Krarup.

Internet: www.kirche-beverstedt.de

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

12.10.2011

++++++++++++++++++

Beverstedt/Kr. Cuxhaven (epd). Das Kirchenasyl für einen 19-jährigen Somalier in Beverstedt bei Bremerhaven ist nach knapp sechs Wochen beendet. Der dort in Obhut genommene Mann wird nach Angaben der evangelischen Kirchengemeinde vorerst nicht abgeschoben. Nach einem Schreiben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge sei die Verantwortung für das Asylverfahren von Malta auf Deutschland übergegangen, teilte Gemeindepastor Martin Krarup am Dienstag mit. Ende August sollte der junge Mann noch nach Malta abgeschoben werden, weil er über den Inselstaat nach Europa einreiste.

Laut EU-Verordnung ist derjenige Mitgliedsstaat für das Asylverfahren zuständig, über den der Flüchtling nach Europa gekommen ist. Der junge Mann war über Malta zunächst nach Schweden und dann vor etwa einem Jahr nach Deutschland gereist. Er lebte einige Monate in Hagen zwischen Bremen und Bremerhaven und wurde dort von der örtlichen Flüchtlingsinitiative unterstützt.

Sein gesundheitlicher Zustand sei prekär, sagte Krarup. Gegenüber dem epd hatte der evangelische Theologe das Kirchenasyl mit den Worten begründet, die Gemeinde setze sich dafür ein, dass der Somalier aus humanitären Gründen nicht nach Malta überstellt werde, sondern in Deutschland einen Asylantrag stellen dürfe. Das kann jetzt geschehen. "Der Kirchenvorstand und der Unterstützerkreis sind über diese Entscheidung sehr erleichtert", sagte Krarup.

Auch der Niedersächsische Flüchtlingsrat und die bundesweite Arbeitsgemeinschaft Pro Asyl hatten sich dafür eingesetzt, dass der Somalier nicht abgeschoben wird. Es sei bekannt, dass der kleine Inselstaat Malta mit Asylverfahren und der angemessenen Versorgung von Schutzsuchenden überfordert sei, und dass Menschenrechte von Flüchtlingen dort systematisch missachtet würden, hieß es.

Internet: www.kirche-beverstedt.de

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

11.10.11