Niedersächsisches Missionswerk setzt neue Prioritäten in der Deutschlandarbeit

Nachricht 08. Oktober 2011

Hermannsburg/Kr. Celle (epd). Das Evangelisch-lutherische Missionswerk in Niedersachsen will seine Deutschlandarbeit neu ausrichten. Sparzwänge nach sinkenden Zuschüssen der Trägerkirchen veranlassten dazu, Prioritäten zu setzen, sagte Missionsdirektorin Martina Helmer-Pham Xuan am Sonnabend in ihrem Jahres-Bericht vor dem "Missionstag" in Hermannsburg bei Celle. Künftig sollten vor allem die Auslandserfahrungen aus den 19 weltweiten Partnerkirchen der Mission in die Gemeinden in Deutschland getragen werden. "Wir wollen Gemeinden global bilden."

Das Missionswerk habe Mitarbeiter mit längjähriger Arbeits- und Lebenserfahrung im Ausland. "Wir stehen im ständigen Austausch mit Kirchen in Amerika, Afrika und Asien", erläuterte die Direktorin. Daraus erwachse interkulturelle Kompetenz, die auch Kirchengemeinden vermehrt benötigten. "Ob sie christliche Migranten-Gemeinden in ihrem Einzugsgebiet haben oder einen hohen Bevölkerungsanteil von Muslimen, ob sie mit rechtsextremen Strömungen in ihrer Nachbarschaft konfrontiert sind oder mit kirchlichem Desinteresse - auch die Gemeinden in Deutschland müssen ständig kulturelle Grenzen überschreiten."

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber unterstrich: Heute müssten Christen in Deutschland immer neu eine Sprachfähigkeit in Glaubensfragen suchen. Es sei eine enorme Herausforderung, die christliche Botschaft Menschen zu vermitteln, die religiös nicht mehr ansprechbar seien oder sich in völlig anderen Denkstrukturen bewegten. Der Bischof ist Vorsitzender des Missionsausschusses für das international tätige Werk.

Es gebe immer mehr Menschen, die mit den Grundbegriffen des Glaubens nichts mehr anfangen können, sagte Weber. So habe ihm ein ostdeutscher Personalchef berichtet, dass zunehmend Mitarbeiter auf Personalbögen in die Spalte der Konfessionszugehörigkeit Nummern eintrügen. Sie wüssten nicht, dass nach dem religiösen Bekenntnis gefragt werde und notierten ihre Konfektionsgröße. "Das mag zunächst komisch klingen, ist aber doch nur die Spitze eines Eisberges."

Zu den neuen Angeboten des Missionswerkes für Kirchengemeinden können nach Angaben eines Sprechers ein Training in interkultureller Kompetenz ebenso gehören wie "Kinder-Länder-Tage". Das vor mehr als 160 Jahren vom Heidepastor Ludwig Harms gegründete Missionswerk wird von den evangelischen Landeskirchen von Hannover, Braunschweig und Schaumburg-Lippe getragen. Es engagiert sich im Austausch von Theologen und Entwicklungsfachkräften zwischen evangelischen Kirchen in Europa, Afrika, Asien und Lateinamerika und unterstützt dort Projekte.

Internet: www.elm-mission.net

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8.10.2011