Braunschweigischer Bischof Weber warnt vor weiterer Lockerung des Sonntagsschutzes

Nachricht 07. Oktober 2011

Braunschweig/Hannover (epd). Die in Niedersachsen geplante Zulassung des Sonntagsverkaufs in Gartencentern stößt bei den evangelischen Kirchen auf Kritik. Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber warnte davor, den Sonntag auf diese Weise abzuschaffen und dem Kommerz rund um die Uhr zu opfern. "Der Sonntag ist als Ruhetag ein hohes Kulturgut, das mehr als dreitausend Jahre alt, bewährt und weltweit verbreitet ist", sagte Weber am Donnerstag dem epd. Er ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Die Landtagsfraktionen von CDU und FDP hatten angekündigt, möglichst noch im Oktober das Gesetz über die Ladenöffnungszeiten entsprechend zu ändern. Bisher ist es großen Gartencentern grundsätzlich verboten, an Sonn- und Feiertagen zu öffnen. Jetzt sollen sie auf Druck der Inhaber und ihrer Verbände den kleineren Blumenläden gleichgestellt werden.

Weber zufolge zahlt die Gesellschaft für die Arbeit an Sonn- und Feiertagen einen hohen sozialen Preis. Im Dienstleistungsbereich arbeiteten mehr als zehn Millionen Menschen zumindest gelegentlich an Sonntagen. Es drohe eine Spaltung der Gesellschaft in Sonntagsgewinner und Sonntagsverlierer, warnte der Bischof.

Je mehr Dienstleistungen am Sonntag angeboten würden, desto mehr Menschen müssten auf freie Zeit und die Gemeinschaft mit ihren Familien und Freunden verzichten. Der Sonntag sei mehr als der freie Tag eines Einzelnen. Er sei der Tag des kollektiven Ausruhens einer Gesellschaft und stifte so Gemeinschaft. In der Bibel werde die Ruhe des Sonntags als ein Geschenk Gottes dargestellt. Die niedersächsischen Politiker sollten darüber nachdenken, "was hier eigentlich geschieht und was auf dem Spiel steht".

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7.10.2011