Das Lächeln von Smilla / Hilfe für Frühgeborene im Perinatalzentrum Hannover

Nachricht 07. Oktober 2011

Frühgeborene haben Experten zufolge in speziellen Einrichtungen gute Chancen auf ein gesundes Leben. Die frühe und genaue Diagnostik von Problemen in der Schwangerschaft sei dabei ein wichtiger Faktor, sagte der Leiter des Perinatalzentrums Hannover, Professor Ralf Schild, anlässlich eines Symposiums dem epd in Hannover. Zu der Tagung wurden rund hundert Mediziner, Hebammen und Pflegekräfte aus Niedersachsen erwartet.

Mögliche Folgen von frühen Geburten seien oft Sprach- oder Lernschwierigkeiten, sagte Schild. Studien hätten ergeben, dass sich Kinder gesünder entwickelten, wenn sie in spezialisierten Einrichtungen zur Welt kommen. "Wir haben den Vorteil, dass wir schon vor der Geburt wissen, was wir machen müssen."

Etwa jede zehnte Schwangerschaft gehe mit Problemen einher, sagte der Mediziner. Das Perinatalzentrum in Hannover wurde vor 14 Jahren vom Diakoniekrankenhaus Henriettenstiftung und der Kinderklinik auf der Bult gegründet. Dort werden jährlich rund 400 Frauen betreut.

Internet: www.perinatalzentrum-ddh.de

Das Lächeln von Smilla
(von Charlotte Morgenthal / epd) Smillas Geburt kündigt sich im fünften Monat an. Ein Kampf ums Überleben beginnt. In speziellen Einrichtungen wie dem Perinatalzentrum in Hannover haben Frühgeborene bessere Chancen auf ein gesundes Leben.

Hannover (epd). Meike R. ist im fünften Monat schwanger, da platzt ihre Fruchtblase. Ein Schock für die 36-jährige Lehrerin, denn mit einem Mal ist das Leben ihres Kindes in Gefahr. Noch in der Nacht wird sie im Liegen ins Perinatalzentrum der Henriettenstiftung in Hannover gefahren. Die Einrichtung, die mit einem Kinderkrankenhaus zusammenarbeitet, ist auf Frühgeburten und komplizierte Schwangerschaften spezialisiert.

Frühgeborene haben gute Chancen auf ein späteres gesundes Leben, wenn sie in einer solchen Einrichtung versorgt werden, sagt der Leiter des Zentrums, Professor Ralf Schild. Seit der Gründung vor 14 Jahren habe sich in der frühzeitigen Diagnose viel getan. "Wir können heute viel besser über den Zustand des Kindes urteilen und darüber, wann entbunden werden muss."

Meike R. wird in dieser Nacht auf ein Krankenzimmer gebracht. Schon ihre erste Tochter Madita kam hier elf Wochen zu früh auf die Welt. Die Mutter ist sicher: "Das Kind will leben." Es liegt in einem Rest an Fruchtwasser. 

Die Ärzte, die die Schwangere betreuen, retten täglich Leben, die oft weniger als 1.000 Gramm wiegen. Im Durchschnitt kommen Kinder mit mehr als 3.000 Gramm auf die Welt. Schild zufolge geht etwa jede zehnte Schwangerschaft mit Problemen einher. Sprach- oder Lernschwierigkeiten seien mögliche Folgen früher Geburten. "Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto höher ist das Risiko." Eine Entbindung vor dem achten Monat sei immer riskant.

Neun Wochen wird Meike R. nicht aufstehen dürfen, sondern "das Kind ausbrüten", wie sie sagt. Sie hängt sich an feste Rituale, um jeden Tag zu überstehen. Dabei versucht sie, die oft schweren Schicksale anderer Familien im Zentrum auszublenden. Die heute 39-Jährige erzählt, dass ihr auch die Erfahrung und Routine der Mediziner in dieser Zeit halfen.

Rund 400 Frauen bringen jährlich im Perinatalzentrum ihre Kinder zur Welt. Nur in seltenen Fällen treten hier Komplikationen auf, erläutert der Mediziner Schild. Vereinzelt werde in einer frühen Diagnose erkannt, dass das Kind nicht lebensfähig sei. Gemeinsam mit Kinderärzten und einem Ethikrat werde dann über einen möglichen Abbruch beraten.

Als Meike R. den siebten Monat erreicht hat, haben sich die Organe ihres Kindes so weit entwickelt, dass es überleben könnte, wenn es jetzt geboren würde. Im achten Monat wird es mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt - eine Tochter. Schnell wird sie aus dem Kreißsaal getragen und an Geräte angeschlossen. Sie lebt. Die Mutter nennt die Kleine "Smilla" vom englischen Wort für "lächeln".  

Drei Jahre nach Smillas Geburt sitzt die zweifache Mutter auf ihrer Couch im Wohnzimmer. "Zuhause muss es gemütlich und fröhlich sein", sagt sie. Hinter ihr an der Wand hat sie ein Netz gespannt, das an ein Fußballtor erinnert. Daran hängen Kinderfotos. Manche zeigen Smilla und ihre ältere Schwester Madita, als sie noch "Apfelsinenköpfchen" hatten und an Schläuche und Geräte angeschlossen waren. "Die Geräusche und den Geruch der Intensivstation vergesse ich nie."

Vorsichtig öffnet sich die Tür, und ein blonder Kopf taucht auf. "Wir brauchen Tesafilm", verkündet Smilla, die mittlerweile drei Jahre alt ist. Dabei nutzt sie die Gelegenheit, um einmal jauchzend durchs Zimmer zu toben.

Smilla und Madita sind beide wohlauf. Ihr Mutter weiß: "Das sind Kämpfernaturen." Vielleicht gerade weil sie schon so früh um ihr Leben gerungen haben. Auf ihren Nasen haben beide ein Grübchen, das keiner in der Familie hat. Meike R. ist überzeugt: "Das ist der Fingerabdruck des Schutzengels."

Internet: www.perinatalzentrum-ddh.de

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7.10.2011