"Notruf Mirjam" will Hilfen für Schwangere in Niedersachsen ausweiten

Nachricht 06. Oktober 2011

Hannover/Emden (epd). Zehn Jahren nach der Gründung des Netzwerks "Mirjam" für Schwangere in Not in Hannover wollen die Initiatoren auch an anderen Orten in Niedersachsen vergleichbare Hilfsangebote ins Leben rufen. Konkrete Verhandlungen dafür gebe es im ostfriesischen Emden, sagte Pastor Heino Masemann vom Landesverein für Innere Mission anlässlich der Feier des Jahrestages am Donnerstag in Hannover. Künftig nennt sich das Angebot "Notruf Mirjam".

"Mirjam" wurde 2001 von der damaligen Bischöfin Margot Käßmann und dem Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche gegründet. Seit Jahresbeginn ist die Innere Mission Träger des Netzwerkes, das weiter von der evangelischen Landeskirche und ihrer Diakonie unterstützt wird. Es unterhält neben einem "Babykörbchen" im Diakonie-Krankenhaus Friederikenstift in Hannover Wohn- und Ausbildungsangebote und ein Notruf-Telefon für schwangere Frauen. "Kein Mädchen und keine Frau soll sich alleingelassen fühlen", betonte Masemann.

Margot Käßmann sagte in einer Video-Botschaft, sie werde "Mirjam" als "Patin" weiter unterstützen. Sie begrüße es, wenn das Netzwerk ausgeweitet werde. Die frühere Bischöfin verteidigte erneut das Babykörbchen gegen die Kritik, Kinder müssten ihre natürliche Abstammung kennen: "Am schönsten ist es natürlich, wenn ein Kind Vater und Mutter kennt und in einer heilen und guten Welt aufwächst", sagte sie. "Aber manchmal gibt es Extremsituationen, die andere Hilfeleistungen benötigen. Das Leben des Kindes ist am Ende das Wichtigste."

Die ehemalige niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) ergänzte, die anfängliche Sorge, dass zu viele Mütter ihre Kinder anonym abgeben würden, sei völlig unbegründet. Die Juristin und Landtagsabgeordnete ist Schirmherrin des Babykörbchens in ihrer Heimatstadt Rotenburg bei Bremen.

Seit der Gründung von "Mirjam" wurden neun Kinder anonym in das Babykörbchen gelegt. Vier Mütter haben ihre Kinder im Nachhinein wieder aufgenommen. Fünf Kinder wachsen in Adoptivfamilien auf. Anfang 2008 geriet das Netzwerk in die Schlagzeilen, als ein toter Säugling vor dem Babykörbchen gefunden wurde. Nach einem Gutachten soll die Klappe verzogen gewesen sein. Ein halbes Jahr später wurde ein verbessertes Modell in Betrieb genommen.

Zentrale Anlaufstelle für Schwangere in Not ist die Rufnummer 0800/60 500 40. Jährlich gibt es laut Masemann mehr als 1.000 Anrufe. Die Beratungen reichten von Nachfragen junger Mädchen nach Verhütungsmitteln bis zur intensiven Begleitung Schwangerer bis nach der Geburt.

Internet: www.notruf-mirjam.de

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6.10.2011