Erste doppelte Autobahnkirche an der A 7

Nachricht 03. Oktober 2011
Grasdorf. 65 000 Autos rasen täglich über die Autobahn 7, 35 000 über die A 39. Wer in Grasdorf abfährt, kann künftig von 8 bis 18 Uhr die Grasdorfer Autobahnkirche besuchen, sich in ein Anliegenbuch eintragen und eine Kerze anzünden. Vor allem geht es aber darum, sich in einer spirituellen Umgebung von der hektischen Betriebsamkeit der Autobahnen zu erholen, wie der evangelische Pastor Peter Wiegandt erklärt: „Es soll ein Rastplatz für die Seele werden.“ Am Donnerstag wurden die ersten offiziellen Schilder an der Bundesstraße 6 aufgestellt.
 
Grasdorf ist für eine Autobahnkirche prädestiniert. Der Ort liegt direkt zwischen den Autobahnen 7 und 39. Sowohl die A7-Abfahrt Derneburg als auch die A 39-Abfahrt Baddeckenstedt liegen nur wenige Fahrminuten entfernt. Im März wurde Grasdorf auf der Konferenz der Autobahnseelsorger als offizielle Autobahnkirche zertifiziert. Sie ist die 39. in Deutschland, erst die dritte in Niedersachsen – und die erste Doppel-Autobahnkirche überhaupt.
 
Denn schräg gegenüber der katholischen Marienkirche liegt in Grasdorf die evangelische Nikolaikirche, und gemeinsam werden sie nun zur Autobahnkirche. Beide existierten bereits vor der Reformation. Das ist für ein 780-Einwohner Dorf wie Grasdorf eher ungewöhnlich. Der Grund dafür sind die Sünden von Bischof Otto II. von Wohldenberg, wie der katholische Pfarrer Stefan Lampe erklärt: Als „Sühnewerk“ ließ Otto die Marienkapelle errichten.
 
Nach der Reformation wurde die Nikokaikirche dann evangelisch, die Marienkapelle zur katholischen Pfarrkirche. Auf Grund der Nachbarschaft der beiden Kirchen bot sich eine Zusammenarbeit an. „Wir sehen das als Zeichen der Ökumene – eines Bandes, das wir weiter knüpfen wollen“, erklären die beiden Pastoren.
 
Am Donnerstag stellten Mitarbeiter der Straßenmeisterei Goslar zusammen mit dem evangelischen Pastor Peter Wiegandt und dem katholischen Pfarrer Stefan Lampe die ersten Schilder an den Bundesstraße 6 auf. Mit einem Kirchen-Symbol und einem Pfeil weisen sie den Autofahrern den Weg nach Grasdorf. Insgesamt wird es sechs solcher Hinweise geben.
 
Die Aufstellung der offiziellen Hinweisschilder an den beiden Autobahnen wird sich allerdings noch verzögern, vermutlich bis Ende des Jahres. Nach Angaben von Pastor Wiegandt hängt dies mit den derzeitigen Bauarbeiten an der A7 zusammen. Wenn es soweit ist, wird die Grasdorfer Autobahnkirche in ein bundesweites Verzeichnis aufgenommen, das auch im Internet unter www.autobahnkirchen.de abrufbar ist.
 
Die Grasdorfer wollen ihre neuen Autobahnkirchen aber schon früher feiern, nämlich am Sonntag, 9. Oktober, um 15 Uhr. Ganz im Zeichen der Ökumene wird der Gottesdienst in der evangelischen Kirche beginnen. Im Laufe der Feier werden die Besucher dann auf die andere Straßenseite in die katholische Kirche wechseln und den Gottesdienst dort beenden. Als Vertreter des katholischen Bistums Hildesheim wird Domkapitular Adolf Pohner dabei sein. Die evangelische Seite vertritt Christian Castel, Superintendent des Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld.
 
Kontakt: Ralf Neite, Öffentlichkeitsarbeit Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld, r.neite@kultundkom.de
 
3.10.11