125-jähriges Bestehen der Deutschen Seemannsmission / Hamburger Seeschifffahrtsexperten ausgezeichnet

Nachricht 01. Oktober 2011

Bremen (epd). Der Hamburger Seeschifffahrts-Experte Dierk Lindemann (69) ist für sein Engagement zum Wohl der weltweit etwa 1,2 Millionen Seeleute ausgezeichnet worden. Er sei der Vater des 2006 verabschiedeten internationalen Seearbeitsübereinkommens der UN-Arbeitsorganisation ILO, sagte am Sonnabend bei einem Festakt in Bremen die Präsidentin der evangelischen Deutschen Seemannsmission, Margrit Wetzel. Er habe in den Verhandlungen eine führende Rolle eingenommen, betonte Wetzel und übergab ihm den undotierten Ehrenpreis der Seemannsmission.

Lindemann arbeitete lange Zeit beim Verband Deutscher Reeder, zuletzt als Geschäftsführer. Auf internationaler Bühne setzte er sich jahrelang für das Übereinkommen ein, das teilweise bis zu 90 Jahre alte internationale Konventionen und Empfehlungen bündelt. Für die Seeleute sei es ein Grundwertekatalog und beschreibe Mindeststandards für die Arbeit an Bord und auf den Meeren, bekräftigte Wetzel.

Die "Maritime Labour Convention" (MLC) wurde 2006 einstimmig von der ILO verabschiedet. Die Charta tritt in Kraft, wenn sie von 30 Ländern ratifiziert wurde, die mindestens ein Drittel der Welttonnage in der Handelsschifffahrt repräsentieren. Laut ILO wurde sie bisher von 20 Ländern ratifiziert, zuletzt von Luxemburg und vom Inselstaat Antigua und Barbuda, unter dessen Billigflagge viele deutsche Schiffe unterwegs sind. Der deutsche Bundestag hat noch nicht ratifiziert. Der Abstimmungsprozess sei schwierig und berühre mindestens sechs Ministerien, sagte Lindemann dem epd.

Der Experte rechnet trotzdem damit, dass innerhalb der nächsten sechs Monate die notwendige Zahl ratifizierter Verträge erreicht ist. Die Tonnage ist längst überschritten. "Dann gelten die Regelungen automatisch bei Schiffsinspektionen auf der ganzen Welt", verdeutlichte Lindemann.

Im Seearbeitsübereinkommen geht es um grundlegende Rechte wie Arbeitszeiten, Urlaub und Ausbildung. Auch Bestimmungen zur Sicherheit, zur Freizeit, zur Religionsausübung und zu sozialen Hilfen gehören dazu. Mit der Konvention werden in vielen Ländern der Welt erstmals überhaupt Mindeststandards für die Arbeit auf See eingeführt.

Der Verleihung ging ein Festgottesdienst zum 125-jährigen Bestehen der Deutschen Seemannsmission voraus. Ihre Wurzeln hat das weltweit tätige evangelische Werk mit ihrer Zentrale in Bremen im diakonischen "Komitee für kirchliche Versorgung im Ausland", das am 29. September 1886 gegründet wurde. Seither kämpfe die Seemannsmission gegen die Isolation an Bord, predigte während des Gottesdienstes der Oldenburger Landesbischof Jan Janssen. Sie sei Stimme der Seeleute und setze sich in nüchterner Nächstenliebe für ihre Würde ein, hieß es.

Internet: www.ilo.org; www.seemannsmission.org

Das Stichwort: Deutsche Seemannsmission

Bremen (epd). Die evangelische Deutsche Seemannsmission mit ihrer internationalen Zentrale in Bremen gehört zu den ältesten Zweigen berufsbezogener Arbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Seit 125 Jahren leistet die Organisation auf Schiffen, in Seemannsklubs und in Seemannsheimen auf mehreren Kontinenten Seelsorge und Sozialarbeit an Seeleuten aus aller Welt. Die Arbeit geschieht unabhängig von Herkunft und Religion der Schiffsbesatzungen.

Ihre Wurzeln hat sie im diakonischen "Komitee für kirchliche Versorgung im Ausland", das am 29. September 1886 gegründet wurde. Heute wollen die etwa 700 Haupt- und Ehrenamtlichen mit Freizeitangeboten außerhalb der Bordroutine der Vereinsamung und Entfremdung einzelner Seeleute in den zunehmend multinationalen Besatzungen auf den Schiffen entgegenwirken. Sie arbeiten eng mit anderen christlichen Seemannsmissionen und Organisationen wie der Internationalen Transportarbeiter-Gewerkschaft ITF zusammen.

Gemeinsam setzen sie sich dafür ein, die Lebens- und Arbeitsverhältnisse an Bord zu verbessern. Dafür unterhält die Deutsche Seemannsmission im Ausland ein Netz von 17 Stationen, beispielsweise in Antwerpen, Valparaiso (Chile) oder Lomé (Togo). In Deutschland gibt es 16 Standorte, die von eigenständigen Inlandsvereinen getragen werden. Unter ihnen sind Bremen, Hamburg, Bremerhaven, Cuxhaven und Emden.

Besonderes Gewicht legt das Hilfswerk seit einiger Zeit auf die psychosoziale Unterstützung von Piratenopfern. Die Arbeit wird hauptsächlich aus Kirchensteuermitteln, Spenden und freiwilligen Schiffsabgaben der Reeder finanziert. Im Zusammenhang mit dem 125-jährigen Bestehen ist am 16. Oktober ein Fernsehgottesdienst in der Großen Kirche Bremerhaven geplant, den das ZDF überträgt. Bereits am Sonnabend wurde das Jubiläum mit einem Festgottesdienst in der Bremer Kirche Unser Lieben Frauen gewürdigt.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

1.10.2011