Freiheit und Verantwortung: Ministerpräsident McAllister beim Sprengelempfang in Stade

Nachricht 30. September 2011

Stade (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat die Freiheit politischer Mandatsträger entschieden verteidigt. Es sei ärgerlich, wenn Politiker als wortbrüchig verurteilt würden, wenn sie ihr Denken und Handeln änderten, kritisierte McAllister am Donnerstagabend beim traditionellen "Michaelis-Empfang" des evangelischen Sprengels Stade. "Wähler kaufen mit ihrer Stimme kein Programm", mahnte der niedersächsische Regierungschef in der Stader St.-Wilhadi-Kirche. "Sie erteilen einen Vertrauensvorschuss für eine Wahlperiode."

Mit der Wahl werde kein Vertrag über Leistungen geschlossen, die erbracht werden müssten. Mandatsträger seien nur ihrem Gewissen verpflichtet, betonte McAllister in einem Vortrag zum Thema "Freiheit und Verantwortung - Politik gestalten in evangelischer Perspektive". Entscheidend für das Denken und Handeln eines Politikers sei letztlich seine Glaubwürdigkeit. "Das ist das Kapital, mit dem sich ein Gemeinwesen über schwierige Wege führen lässt."

Zu dieser Glaubwürdigkeit gehöre es für Abgeordnete auch, dass sie nicht immer so tun müssten, als ob sie auf jede Frage sofort eine Antwort hätten. "Sagen, was man tut und tun, was man sagt - das ist schon die halbe Miete in der Politik", bekräftigte der Ministerpräsident und Landesvorsitzende der CDU in Niedersachsen.

Er verwies auf die evangelische Freiheit als "entscheidendes Erbe der Reformation". Sie sei Grundlage des politischen Systems in Deutschland und befreie dazu, Verantwortung zu übernehmen. Freiheit ohne Verantwortung dagegen "entartet leicht zur Anarchie und führt in die Unfreiheit".

McAllister, der sich nach seinen eigenen Worten in der evangelischen Kirche "geborgen" fühlt, kritisierte scharf das Desinteresse an der Situation verfolgter Christen. "Keine Religionsgemeinschaft wird weltweit so verfolgt wie die Christen." Im sicheren Europa werde diese Entwicklung wenig beachtet. Jede Religionsgemeinschaft müsse aber das Recht haben, ihren Glauben in Freiheit auszuüben.

Der Stader Landessuperintendent und Regionalbischof Hans Christian Brandy betonte, aus christlicher Sicht gehörten Freiheit und Verantwortung zusammen. Verantwortlich leben heiße, sich für andere Menschen einzusetzen. Zum Verhältnis der Kirche zur Politik sagte der leitende evangelische Theologe, die Kirche mache nicht selbst Politik. Aber sie beteilige sich an den Debatten über Orientierungslinien in der Gesellschaft.

Zum "Michaelis-Empfang" treffen sich alljährlich Repräsentanten des öffentlichen Lebens, um mit Vertretern aus dem landeskirchlichen Sprengel Stade ins Gespräch zu kommen. Das Treffen wird am oder um den Michaelistag organisiert, der seit dem fünften Jahrhundert am 29. September als Gedenktag des Erzengels Michael gefeiert wird. Seit der Reformation wird dieser Tag in der evangelischen Kirche als "Tag des Erzengels Michael und aller Engel" begangen. Zum Sprengel Stade gehören elf Kirchenkreise mit rund 590.000 evangelische Christen.

Internet: www.sprengel-stade.de

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

30.9.2011