Kirchen betonen Notwendigkeit einer Theologie des Kindes

Nachricht 20. September 2011

Obwohl 2,2 Milliarden der Weltbevölkerung Kinder sind, haben Kirchen sowohl im Süden als auch im Norden diese in ihrem kirchlichen Dienst bislang oft sträflich vernachlässigt, heißt es in einer Veröffentlichung des Ökumenischen Rates der Kirchen zum Weltkindertag am 20. September. Die Anliegen und Rechte von Kindern sowie ihr Platz in der Kirche seien Themen, zu denen die Kirchen ihre Stimme gemeinsam erheben und zu Gehör bringen müssten.

Im Bewusstsein dieser Notwendigkeit betont das Programm für ökumenische theologische Ausbildung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), dass eine Theologie des Kindes integraler Bestandteil von theologischer Aus- und Fortbildung sein muss. Es unterstreicht damit die Schlussfolgerungen einer Konferenz, die sich Anfang 2011 mit Bildungsprozessen und Fragen der Spiritualität von Kindern beschäftigt hat . Ihre Ergebnisse sind in einem Buch zusammengestellt worden.

Das Programm arbeitet mit Kirchen, Erneuerungsbewegungen und theologischen Ausbildungsinstitutionen zusammen, um auf die großen Potenziale aufmerksam zu machen, die in der christlichen Mission im Blick auf die Rolle von Kindern bestehen.

Diese Initiative für eine Theologie des Kindes beruft sich auf den eindringlichen Appell von Christus selbst, Kinder ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen: „Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen: Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.“ (Mk 9,36) 

Zusammen mit anderen christlichen Einrichtungen und Netzwerken aus aller Welt beschäftigte sich der ÖRK auf einer „ Theologischen Konferenz über Kinder“, die im März dieses Jahres unter dem Titel „Now and Next“ von Daystar University und Compassion International in Nairobi ausgerichtet wurde, mit den Entwicklungen zu einer Theologie des Kindes.

An der Konsultation nahmen leitende Vertreter/innen internationaler Organisationen, einschließlich der Weltweiten Evangelischen Allianz, der Lausanner Bewegung, des 4/14 Window Global Movement, der Bewegung für eine Theologie des Kindes, der Holistic Child Development Global Alliance und des Overseas Council International (OCI) teil.

Die Teilnehmenden diskutierten über die Bedeutung der Theologie des Kindes für die Mission der Kirche sowie über Mittel und Wege, wie theologische Lehrpläne mit dem Ziel einer ganzheitlichen Kindesentwicklung erweitert werden könnten. Ihre Überlegungen wurden von Compassion International in einem Handbuch mit dem Titel Now & Next zusammengestellt und werden Ende dieses Jahres online veröffentlicht werden.

Pastor Dr. Dietrich Werner, Leiter des ÖRK-Programms für ökumenische theologische Ausbildung, erinnerte an die Sonntagsschulbewegung als eine der frühesten Gestalten der ökumenischen Bemühungen um konfessionsübergreifende Zusammenarbeit und bezeichnete die Theologie des Kindes als wichtigen Bereich, in dem evangelikale und ökumenische Kreise zusammenarbeiten könnten. 

„Es ist daher an der Zeit, das Engagement der Kirchen für die Pastoral an Kindern und die Sonntagsschul- bzw. Kindergottesdienstbewegung zu stärken, die nicht vom wahren Sein der Kirche als Zeichen des Reiches Gottes getrennt werden können“, erklärte Werner.

Werner äußerte die Hoffnung, dass die Anliegen der Bewegung für eine Theologie des Kindes in den Vorbereitungsprozess für die 10. Vollversammlung des ÖRK 2013 in Busan (Korea) einbezogen werden können. 

Die Theologie des Kindes, so Werner, sei von großer Bedeutung, denn „Kinder haben das Recht, von Gott zu hören. Sie haben das Recht, Christus kennen zu lernen. Kinder brauchen geistliche Ressourcen, Symbole und Geschichten, die ihnen die Möglichkeit geben, Hoffnung, Liebe und Vertrauen in ihrem Inneren Ausdruck zu geben - und das ist von zentraler Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes“.

Weitere Informationen über das Programm des ÖRK für ökumenische theologische Ausbildung
Vortrag von Dietrich Werner auf der Konferenz „Now and Next“ in Kenia, 2011 (pdf, auf Englisch)

Der Ökumenische Rat der Kirchen fördert die Einheit der Christen im Glauben, Zeugnis und Dienst für eine gerechte und friedliche Welt. 1948 als ökumenische Gemeinschaft von Kirchen gegründet, gehören dem ÖRK heute mehr als 349 protestantische, orthodoxe, anglikanische und andere Kirchen an, die zusammen über 560 Millionen Christen in mehr als 110 Ländern repräsentieren. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche. Der Generalsekretär des ÖRK ist Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit, von der (lutherischen) Kirche von Norwegen. Hauptsitz: Genf, Schweiz.

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20.9.2011