Ausstellung blickt in den Bücherschrank adliger Stiftsdamen

Nachricht 18. September 2011

Braunschweig (epd). Die adeligen Stiftsdamen von Bad Gandersheim haben bereits im 15. Jahrhundert Reiseberichte aus aller Welt studiert. "Das waren nicht nur Betschwestern", sagte Gabriele Canstein, Bibliothekarin des Theologischen Zentrums an der Brüdernkirche in Braunschweig, am Dienstag. In der Kirche werden bis zum 27. Oktober Bücher und Aufzeichnungen aus den barocken Schränken des Stifts unter dem Titel "Die Welt im Schrank" ausgestellt.

Die Themen, mit denen sich die Stiftsdamen im Mittelalter befasst hätten, seien faszinierend, sagte Canstein. Viele Frauen hätten schon vor ihrem Eintritt in die Gemeinschaft eine umfangreiche Ausbildung genossen, die sie dann in Gandersheim fortsetzten. So gehörten zur Bibliothek auch Wörterbücher für fremdsprachige Korrespondenz. Mathematische Werke halfen bei den statischen Berechnungen zahlreicher Bauprojekte.

In den Vitrinen der Ausstellung finden sich auch seltene Bücher, wie eins der 20 vorhandenen Bände des 1643 erschienenen "Theatrum Europaeum". Die Jahrgangsbände, an denen der Frankfurter Kupferstecher Matthäus Merian mitarbeitete, enthalten vor allem Ansichten von Schlachten und Festungen und Grundrisse von Städten.

Bei den Reiseberichten zählen die ins Deutsche übersetzten Aufzeichnungen des Jonas Hanway zu den Besonderheiten. Der Brite besuchte in den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts Russland und Persien. Beliebtes Reiseziel adliger Söhne und Töchter war zu dieser Zeit Rom mit seinen antiken Denkmälern und Bauwerken. Die Ausstellung präsentiert in diesem Zusammenhang einen Stadtplan Roms aus dem Mittelalter.

Der größte Teil der Exponate war zuvor bei der Ausstellung "Portal der Geschichte" in Bad Gandersheim zu sehen. Dort werden rund 1.200 Bücher und Handschriften aufbewahrt. Diese waren im Gandersheimer Dom entdeckt worden und kamen vor der Renovierung des Domes 1993 in die Obhut der Bibliothek des Predigerseminars Braunschweig der evangelischen Landeskirche, das inzwischen zum Theologischen Zentrum gehört.

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18.9.2011