Ökumenisches Forum "Kirche des Friedens werden" in Hannover / EKD-Beauftragter Brahms mahnt Alternativen zu Militäreinsätzen an

Nachricht 17. September 2011

Hannover/Bremen (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms hat die Kirchen dazu aufgerufen, sich auf internationaler Ebene in die Politik einzumischen. "Angesichts der Erfahrungen in Afghanistan und anderen Konfliktherden sind dringend Alternativen zu militärischen Einsätzen zu entwickeln", sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonnabend in Hannover. Brahms sprach bei einem ökumenischen Forum der evangelischen Kirchen in Niedersachsen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Kirche des Friedens werden: gerecht, nachhaltig, gewaltfrei".

Brahms, der auch leitender Theologe der bremischen Kirche ist, sagte, die meisten kriegerischen Konflikte gebe es heute nicht mehr zwischen einzelnen Staaten, sondern innerhalb eines Landes. Neben Bürgerkriegen gehörten dazu sogenannte asymmetrische Kriege. Dabei würden Formen des Guerilla-Krieges angewandt und Anschläge und Selbstmord-Attentate verübt. Die Christenheit sei sich bisher nicht einig, ob es in diesen Fällen eine "Schutzverantwortung für Völker oder Bevölkerungsgruppen" gebe.

Das Leitbild eines gerechten Friedens habe eine vierfache Schutzfunktion: Schutz vor Gewalt und Not sowie Schutz der Freiheit und kulturellen Vielfalt. "Wer den Frieden will, muss multilateral denken und handeln und die internationalen Rechtssysteme stärken", sagte Brahms seinem vorab veröffentlichten Manuskript zufolge. Die größte Herausforderung der Zukunft bestehe darin, dieses Leitbild in politische Strategien umzusetzen.

Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer kündigte an, dass die hannoversche Landeskirche Aktionen gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit weiter ausbauen wolle. Dafür müssten zum Beispiel die verschiedenen Bündnisse gegen Rechtsextremismus besser miteinander vernetzt werden.

Superintendent Hermann de Boer aus Ronnenberg bei Hannover sagte, es würden noch mehr Kirchengemeinden und Initiativgruppen gebraucht, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzten. Dazu gehöre auch, mit Menschen aus anderen Religionen und Weltanschauungen Strategien für eine "Kultur des Friedens" zu entwickeln.

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17.9.2011