Gehörlosen-Pastorin: Gebärdensprache muss Standard werden / Niedersächsischer Tag der Gehörlosen in Hildesheim

Nachricht 16. September 2011

Hildesheim (epd-Gespräch: Charlotte Morgenthal). Die Gebärdensprache muss nach Ansicht der Gehörlosen-Pastorin Christiane Neukirch in Deutschland bei öffentlichen Veranstaltungen zum Standard werden. In Ländern wie den USA sei die Fingersprache längst selbstverständlich, sagte die evangelische Theologin dem epd anlässlich des niedersächsischen Tags der Gehörlosen an diesem Sonnabend in Hildesheim. In Niedersachsen leben schätzungsweise 6.000 Hörgeschädigte.

Auch Fernseh-Übertragungen würden bisher meist nicht in die Gebärdensprache übersetzt, sagte die Expertin. "Es gibt immer noch viele Situationen, in denen die nicht Hörenden auf Dolmetscher angewiesen sind." Teilweise müssten die Betroffenen die Übersetzer selbst bezahlen. Neukirch betreut sieben der insgesamt 24 Gebärdengemeinden in der hannoverschen Landeskirche. Sie wird die zentrale niedersächsische Veranstaltung zum Tag der Gehörlosen in Hildesheim mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnen.

Ein wichtiger Fortschritt sei, dass die Sprache vor einigen Jahren in Deutschland als Fremdsprache anerkannt wurde, erläuterte die Pastorin. Dies habe dazu geführt, dass sie als offizielles Unterrichtsfach an Schulen für Gehörlose eingeführt worden sei. Zuvor wurden diese nur im Sprechen geschult.

Der Tag der Gehörlosen wird vom niedersächsischen Gehörlosenverband organisiert. Dieser zählt nach eigenen Angaben rund 3.000 Mitglieder und ist Mitglied im Deutschen Gehörlosen-Bund. Er vertritt die sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen aller Gehörlosen in Niedersachsen. Weltweit feiern Verbände Ende September und Anfang Oktober den Tag der Gehörlosen, um auf die etwa 80.000 Betroffenen aufmerksam zu machen und für die Gebärdensprache zu werben.

Internet: www.gehoerlosenverband-niedersachsen.de

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16.9.2011