„Landwirte sind unter Druck“: Vertreter von evangelischer Kirche und Landwirtschaft diskutieren Tierschutz

Nachricht 14. September 2011

Otterndorf/Elbe-Weser-Raum. „Wir Landwirte stehen unter gesellschaftlichem Druck“, mit diesen Worten kennzeichnet Joost Meyerholz, Kreislandwirt aus Verden, die momentane Stimmungslage in der Landwirtschaft. Meyerholz hatte in seiner Funktion als Bezirksverbandsvorsitzender des Niedersächsischen Landvolks Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirche sowie der Landwirtschaft zu einem Meinungsaustausch über Fragen des Tierschutzes nach Otterndorf eingeladen. An diesem Treffen, das alljährlich im Vorfeld des Erntedankfestes stattfindet, nahmen über 50 Interessierte aus dem gesamten Elbe-Weser-Raum teil.

Nach der Besichtigung eines Hähnchen-Mastbetriebes in Altenwalde standen Fragen und Probleme der Massentierhaltung im Zentrum der engagierten Diskussion. Karl-Heinz Friebe, Pastor im Kirchlichen Dienst auf dem Lande, votierte dabei für eine Begriffsklärung. „Wir haben heute eine moderne Landwirtschaft, doch in vielen Köpfen gibt es noch eine romantisierende Vorstellung vom Bauernhof.“ Dies mache es nicht leicht, komplexe Fragen von Tierschutz, Wirtschaftlichkeit und Verbraucherverantwortung öffentlich zu diskutieren.

„Sorgfältig aufeinander hören und sich sachkundig machen“, darin sieht Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy die Funktion des Gesprächs zwischen Kirche und Landwirtschaft. In einer globalisierten Welt sei es zudem wichtiger, den Zusammenhang zwischen „unserem Wirtschaften und der Armut in unserem Land, aber auch den noch immer über eine Milliarde Hungernden weltweit“ zu sehen, so der Regionalbischof.

Die Synode der hannoverschen Landeskirche hatte sich bereits im Juni ausführlich mit der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung befasst. Neben den Erfordernissen der Wirtschaftlichkeit sei es wichtig, dass nicht die Effektivität der alleinige Maßstab im Umgang mit Tieren sein könne, so die Meinung der Kirchenparlamentarier. Die Verbraucher hätten mit ihrem Lebensmitteleinkauf darüber hinaus auch eine große Verantwortung. Pro Kopf werden in Deutschland mittlerweile 60 Kilo Fleisch im Jahr verzehrt. Der Druck auf die Landwirtschaft, zu immer niedrigeren Preisen zu produzieren, ist dabei gestiegen.

Sonja Domröse, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Stade

www.sprengel-stade.de

14.9.2011