Propst Wichert-von Holten wendet sich gegen möglichen Castor-Transport im Advent

Nachricht 14. September 2011

Gorleben/Hannover (epd). Die evangelische Kirche hat sich gegen einen möglichen Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben in der Adventszeit gewandt. "Die Menschen in unserer Region haben ein Recht auf das Feiern ihrer Festtage", sagte Propst Stephan Wichert-von Holten am Mittwoch in Lüchow dem epd. "Das gilt auch für den Advent, in dem die Menschen die Zeit anders begehen als im Rest des Jahres."

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hatte erklärt, sie rechne damit, dass der nächste Castor-Transport aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague am ersten Advent rollt. Recherchen hätten ergeben, dass die Polizei einen Großeinsatz für den 25. bis 28. November plane, sagte Sprecher Wolfgang Ehmke. Für das Wochenende bereite die Initiative wieder eine Großdemonstration in Dannenberg vor.

"Das wird dem ersten Advent einen neuen Gehalt geben: Ankunft des Castors", kritisierte Ehmke. "Das ist eine Provokation, denen ist nichts heilig." Die Bürgerinitiative kämpfe jedoch weiter dafür, dass der Castor-Transport wegen der erhöhten Strahlungswerte im Lager Gorleben ausgesetzt wird.

Im niedersächsischen Landtag forderte die Opposition am Mittwoch Ministerpräsident David McAllister (CDU) auf, den Transport abzusagen. Der genehmigte Grenzwert für radioaktive Strahlung werde nach einer Hochrechnung in diesem Jahr überschritten, deshalb dürften nicht noch weitere Castor-Behälter hinzukommen, sagte der Fraktionschef der Grünen, Stefan Wenzel. "Die Rechtslage ist zwingend."

Vertreter der Regierungsfraktionen wiesen die Forderung zurück. Es sei noch gar nicht ausgemacht, ob die Grenzwerte tatsächlich überschritten würden, sagte der CDU-Umweltexperte Martin Bäumer. Dies hänge nicht von der Zahl der Castor-Behälter ab. "Für Panikmache ist kein Platz." Zudem gebe es Verträge mit La Hague, die Castor-Behälter abzunehmen. Daran müsse sich Deutschland halten.

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14.9.2011