"Oh Happy Day" im Einkaufszentrum - 12.000 Besucher feierten Gospelchöre aus ganz Norddeutschland auf Open-Air-Bühnen in Hannovers Innenstadt

Nachricht 12. September 2011

Hannover (epd - Von Thomas Paterjey). Gabi Vollmer will nur schnell zur Post. Als sie das Atrium der "Ernst-August-Galerie" betritt, kommen ihr ungewohnte Klänge entgegen. In Hannovers zentralem Shopping-Center haben sich 30 Chöre spontan zu einem musikalischen "Flashmob" zusammengefunden. Sie singen a-cappella den Gospelsong "Freedom is coming", nur von einer Trommel begleitet. Die Aktion am Wochenende ist Teil des Norddeutschen Gospelchortreffens, zu dem 600 Aktive unter dem Motto "Lasst uns die Stadt verzaubern" in die City Hannovers gekommen sind.

Alle klatschen in die Hände - im Nu herrscht ausgelassene Stimmung, besonders beim Gospel-Klassiker "Oh Happy Day". Genauso schnell wie alles begonnen hat, ist der "Flashmob" aber auch wieder vorbei. Die Idee ist angelehnt an Aktionen, bei denen sich Menschen, die einander nicht kennen, über das Internet verabreden, um an einem bestimmten Ort kurzzeitig das Gleiche zu tun. Vollmer ist von der Darbietung sichtbar angetan. Die kaufmännische Angestellte kann nicht anders, sie muss sofort mitsummen.

"Einige Gospel-Lieder kenne ich", sagt sie. Besonders gut gefalle es ihr, wenn so ein Lied ein positives Lebensgefühl ausdrücken könne. Eine häufige Kirchgängerin sei sie zwar nicht, meint Vollmer. "Aber es ist doch gut, wenn die Kirche mit ihren Botschaften herausgeht zu den Menschen." Auf drei Bühnen in der Innenstadt treten an diesem Wochenende die Chöre auf - umsonst und draußen. "Wir wollen mit diesem Treffen neue Wege beschreiten", erläutert Joachim Dierks, Pastor an der hannoverschen Gospelkirche.

Dierks ist der künstlerische Leiter des Festivals, das bereits zum siebten Mal organisiert wird, erstmals in einer größeren Stadt. "Uns war klar: Wir müssen raus auf die Straßen", sagt Dierks. Wenn sich so viele Sänger in Hannover treffen, dann sollte auch die Stadtgesellschaft etwas davon haben. Mindestens 12.000 Menschen sehen die Konzerte. Das jedenfalls schätzen die Organisatoren des evangelisch-lutherischen Stadtkirchenverbandes.

Auch vor dem Bahnhof ist viel los. Dort will sich der 17-jährige Marvin Lindemann mit seinen Freunden treffen. Während er wartet, blickt er interessiert zur Bühne, auf der gerade ein Chor aus Göttingen sein letztes Lied ankündigt. "Eigentlich ist das nicht so meine Musik", gibt der Jugendliche zu. Er singe selbst in einer Rockband, findet den Auftritt des Gospelchors dennoch "handwerklich gut gemacht". Wichtig sei, dass die Musiker hinter dem stünden, was sie machten, "um authentisch rüber zu kommen".

Dass die Veranstaltung eine unterhaltsame und gelungene Abwechslung für Passanten ist, findet auch Christine Hamburger, engagierte Gospel-Sängerin und Chorleiterin. Sie meint mit Blick auf die Zuhörer: "Wir setzen den Menschen ein Lächeln auf."

Ihre eigene Begeisterung für Gospels begann vor mehr als 15 Jahren. Hamburger nahm damals an einem Workshop in Süddeutschland teil und erlebte, wie sehr sie die afroamerikanische Musik bewegte. Im Gegensatz zu den traditionellen deutschen Kirchenliedern haben die meisten Gospelsongs englische Texte: "Diese weichere Sprache passt sehr gut für die soulige Musik."

Die Musikerin unterstreicht, dass die Stilrichtung ganz unterschiedliche Stimmungen ausdrücken kann. "Ich persönlich mag die Balladen sehr gerne, die ruhig und sanft beginnen."

Ein Höhepunkt des Gospelchortreffens am Samstagabend ist schließlich der "Masschoir" vor der Marktkirche, eine Aktion aller Sängerinnen und Sänger. Als es zu Dämmern beginnt, verkünden die Chöre lautstark die "gute Botschaft". Denn nichts anderes bedeutet das Wort Gospel.

Internet: www.ngct.de

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12.9.2011