Hildesheimer demonstrieren für Wiedervereinigung von Flüchtlingsfamilie

Nachricht 07. September 2011

Hildesheim (epd). Rund 100 Menschen haben am Mittwoch in Hildesheim für die Wiedervereinigung einer Flüchtlingsfamilie demonstriert. Die schwangere Kurdin Gazale Salame wurde 2005 mit ihrer eineinhalbjährigen Tochter in die Türkei abgeschoben. Ihr Ehemann Ahmed Siala lebt mit den beiden größeren Kindern nach wie vor im Landkreis Hildesheim. "Die beiden wären längst Deutsche, wenn man ihnen die Aufenthaltserlaubnis nicht weggenommen und durch die Abschiebung Fakten geschaffen hätte", sagte Kai Weber vom niedersächsischen Flüchtlingsrat.

Der evangelische Superintendent Helmut Aßmann sagte, schon allein die Dauer der Trennung fordere eine schnelle Lösung. Die menschliche Seite des Konflikts dürfe nicht ausgeblendet werden. "Es geht um Menschen, um Kinder, um eine Familie und die Wertschätzung der sozialen Grundlagen unserer Gesellschaft." Er verstehe nicht, warum der Landkreis sich nicht bemühe, die junge Mutter zurückzuholen. Der Fall sei längst nicht mehr juristisch, sondern nur noch politisch zu lösen.

Ein Kreis aus Unterstützern aus Politik, Gewerkschaften, Kirchen und dem Flüchtlingsrat will mit einem DNA-Gutachten die Wiedervereinigung erreichen. Sie hatten vergangene Woche einen Antrag an den Landkreis gestellt, den von der Härtefallkommission des Landes negativ entschiedenen Fall wieder aufzunehmen. Der Landkreis hatte daraufhin mitgeteilt, den Vorgang erneut zu prüfen.

Siala wurde bereits 2001 die Aufenthaltserlaubnis entzogen. Ihm wird vorgeworfen, dass seine aus dem Libanon kommenden Eltern bei der Einreise 1990 ihre türkische Staatsangehörigkeit verschwiegen hätten. Siala war damals fünf Jahre alt. Ein DNA-Gutachten zwischen Sialas Vater und einem angeblichen türkischen Bruder schließt ein verwandtschaftliches Verhältnis jedoch aus, teilten die Unterstützer mit. Der Name des Vaters taucht in einem türkischen und libanesischem Melderegister auf.

Salame lebt derzeit mit den beiden sechs- und siebenjährigen Kindern in einem Slum außerhalb von Izmir, sagte Weber. Sie werde mit dem Erlebten emotional nicht fertig und sei suizidgefährdet. "Noch einen Winter wird Gazale in der Türkei nach Aussagen von Freunden nicht durchstehen."

Behörden hatten die Kurdin damals abgeholt, als ihr Mann die beiden älteren Kinder zur Schule brachte. Ihr wurde die Aufenthaltserlaubnis nach 17-jährigem Aufenthalt in Deutschland entzogen, weil sie als kleines Mädchen zweitweise in der Türkei lebte.

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