Landesbischof im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung"

Nachricht 04. September 2011

Hannover/Frankfurt (epd). Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hält wenig von zu reflexhaften politischen Äußerungen von Kirchenvertretern. "Ein Bischof sollte nicht politisieren, nur weil er sich am Frühstückstisch beim Aufschlagen der Zeitung geärgert hat", sagte Meister im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Gleichwohl könne gut reflektierte Theologie auch eine scharfe Waffe sein, etwa mit der bleibend aktuellen Forderung nach einer gerechten Gesellschaft.

"Meine Weihnachtspredigten sind unpolitisch - Sie hören da in der Regel keine Forderung nach Erhöhung der Hartz-IV-Sätze", sagte der Bischof der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland der Zeitung. Seine Vorgängerin im Bischofsamt, Margot Käßmann, hatte mit politischen Äußerungen unter anderem zum Afghanistankrieg ein großes Echo erlangt. Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erntete dabei neben Zustimmung auch teilweise heftige Kritik.

Allerdings sei die Frage nach politischen Positionen auch ein Reflex der Medien, erläuterte Meister. Journalisten sagten ihm, wenn er nichts Politisches einbringe, würden sie nicht berichten. Es entspreche aber nicht dem Auftrag der Kirche, in erster Linie Gesellschaftspolitik zu machen. Die Kirche lebe auf einem religiösen Fundament, dem sie äußere Form gebe. "Das kann übrigens auch zu einer scharfen politischen Attacke führen."

Meister warnte vor einer Verflachung von Glaubensinhalten. "Es wird vom Fußballgott und ähnlichen Gestalten geredet - aber, das hat doch mit Gott nichts zu tun." Die Kirchen müssten deutlich machen, worin echte Frömmigkeit bestehe. Auch einer Spiritualität, die nur auf Selbsterfüllung und das eigene Wohlbefinden zielt, erteilte der Bischof eine Absage. "Spiritualität darf nicht als Freiheit verstanden werden, sich der Vernunft der Welt zu entziehen."

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